Der erste Eindruck zählt. Unsicheres Auftreten, Unterwürfigkeit, Arroganz, Unhöflichkeit – wer seinem Gegenüber die falschen Signale sendet, bekommt Probleme und mindert seine Karrierechancen. Die Körpersprache spielt beim Vorstellungsgespräch eine bedeutende Rolle.

Michaela Schmidinger

Salzburg, Linz. Einmal so selbstbewusst auftreten wie der frühere US-Präsident Barack Obama, einmal so schlagfertig sein wie Modedesigner Karl Lagerfeld, einmal so relaxt zu sich selbst stehen wie die oscarprämierte Schauspielerin Meryl Streep – wer möchte das nicht?
„Menschen, die ihre Stärken ins Licht rücken und ihre Schwächen verbergen können, extrovertierte Alphatiere, elegante Strippenzieher, charmante Überzeugungskünstler oder leise Superhelden: Sie alle haben eine hohe Wirkungskompetenz. Man kann ein Naturtalent sein oder sich diese Fähigkeit aneignen“, sagt Monika Matschnig, Expertin und Beraterin für Körpersprache und Wirkungskompetenz.

Die Geheimnisse der Selbstinszenierung

Haltung, Mimik und Gestik zielen aufs Unterbewusstsein und erzeugen eine Vielzahl von Eindrücken, die für den Umgang essenziell sind. Worte und Körpersprache müssen zusammenpassen, denn durch die Körpersprache wird die Botschaft betont oder vernichtet. Der Körper spricht aus, was man fühlt, denkt und beabsichtigt. Und er verrät es dem Gegenüber. Die Körpersprache ist somit die ehrlichste und elementarste Form der Kommunikation – der Körper lügt nicht. Dieses Wissen gilt es geschickt zum Vorteil zu nutzen.
Ein Termin beim Personalchef ist die letzte Hürde, die es zu meistern gilt, um den Traumjob zu ergattern. Von diesem persönlichen Vier-Augen-Termin hängt viel – wenn nicht alles – ab. Das heißt, Bewerber müssen einen überzeugenden Auftritt liefern, sympathisch sein, Vertrauen erwecken und zuverlässig erscheinen, sich motiviert zeigen und Kompetenz ausstrahlen. Die eigene Persönlichkeit ist also gefragt und sollte souverän ausgespielt werden.

Zehn Tipps für das Vorstellungsgespräch

Personalchefs achten beim Bewerbungstermin vor allem auf folgende Punkte:
Begrüßung: Freundschaftliches Schulterklopfen, Umarmungen oder gar Wangenküsse sind im geschäftlichen Umfeld ungeeignet. Ein kurzer und fester Händedruck, Blickkontakt und freundliches Lächeln genügen.
Augenkontakt suchen und halten: Als Zuhörer blickt man dem Gegenüber möglichst in die Augen und ins Gesicht. Als Sprechender dagegen hält man den Blick für mindestens ein bis zwei Sekunden, nach spätestens vier bis sieben Sekunden wird es zu viel. Wer es nicht schafft, seinem Gegenüber in die Augen zu schauen, wirkt ängstlich und desinteressiert.
Lächeln: Ein authentisches Lächeln zeigt, dass man sich wohlfühlt und seinem Gegenüber freundlich gesinnt ist.
Richtige Körperhaltung: Ein aufrechter Rücken mit Körperspannung und dem Gewicht gleichmäßig auf beiden Beinen steht am deutlichsten für Souveränität. Füße gehören fest auf den Boden, aber nicht zu breit auseinander stellen (das wirkt bei Männern wie ein Territorialanspruch) oder im Stehen überkreuzen (wirkt bei Frauen devot).
Gerade sitzen: Wer sich in aufrechter Haltung leicht nach vorne in Richtung des Gesprächspartners neigt, bekundet Interesse und Aufmerksamkeit. Damen achten darauf, im Sitzen die Knie geschlossen zu halten.
Nicht spielen: Nicht mit den Fingern oder Gegenständen auf dem Tisch oder in der Hand spielen. Das zeugt von Unsicherheit oder könnte zu aggressiv wirken.
Händedruck: Nicht zu fest aber auch nicht zu lasch, nicht zu ausholend und nicht zu statisch. Ein kurzer fester Druck und ein marginales Auf und Ab ist das beste Rezept für den Händedruck.
Nicht die Arme vor der Brust verschränken: Wirkt ablehnend und unfreundlich. Der erhobene Zeigefinger erscheint streng, böse und dominant. Hände in die Hüften stemmen strahlt Aggressivität oder Trotzigkeit aus.
Nicht mit den Haaren spielen oder ans Gesicht fassen: Das spricht von Unsicherheit und Nervosität. Sich an die Nase fassen könnte bedeuten, dass man nicht ganz ehrlich ist.
Sparsame Gesten: Minimale Bewegungen unterstreichen wichtige Aussagen. Hände in der Hosentasche oder eingehakte Daumen wirken respektlos. Zu vermeiden sind hektische Gesten (das bedeutet Überforderung), ein nach hinten geneigter Kopf (Arroganz) und schlurfende Bewegungen (Desinteresse). Offene, entspannte Arme und Hände signalisieren, dass man offen ist.

Gut vorbereitet sein

Der Tag X ist gekommen, nun heißt es letzte Vorbereitungen zu treffen, damit alles wie am Schnürchen funktioniert: Kleider machen Leute, also kleidet man sich dem Job entsprechend. So braucht der Mechaniker nicht im Anzug zu kommen, der Banker hingegen schon. Auch eine ordentliche Frisur und eine gepflegte Erscheinung gehören ebenso dazu wie geputzte Schuhe und ein sparsamer Umgang mit Parfum bzw. Aftershave. Frauen tragen nur dezentes Make-up auf. Zu lässige, zu enge oder zu freizügige Garderobe passt gar nicht.
Dann: Frühzeitig das Haus verlassen, um rechtzeitig anzukommen. Am besten fünf bis zehn Minuten vor dem Termin beim Empfang anmelden. Alle Bewerbungsunterlagen mitnehmen und sich zuvor über das Unternehmen informieren, Antworten auf gängige Fragen üben und eigene Fragen zum Job bzw. zur Firma vorbereiten. Beim Gespräch immer klare und deutliche Antworten geben, nicht ohne Punkt und Komma drauflosschwafeln.
Beim Abschied erneut dem anderen die Hand reichen, ihm wieder in die Augen blicken und sich mit einem selbstbewussten „Auf Wiedersehen“ und Gewinnerlächeln verabschieden. Aufrecht unter anhaltender Körperspannung aus dem Gebäude gehen, bis man außer Sichtweite ist.

Gestik und Mimik entscheiden

Diese zehn Körpersprachefehler gilt es zu vermeiden:
Wer unsicher wirkt oder mit seiner Gestik und Mimik etwas anderes ausdrückt als die Worte sagen, braucht sich nicht wundern, wenn er weniger ernst genommen wird oder nicht überzeugen kann. Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft haben viel stärker mit der Körpersprache zu tun als mit Worten.
Coach Michael Moesslang (Buch: „Bessere Körpersprache – mehr erreichen. 52 Tipps für nonverbale Kommunikation“) kennt zehn nonverbale Fehler, mit denen Karrierechancen vergeben werden:
1. Zu wenig Blickkontakt
2. Eine schlechte Haltung
3. Die Hände verbergen
4. Die Arme in die Hüfte stemmen
5. Selbstberuhigende Gesten machen
6. Spielen mit Gegenständen vom Tisch
7. Der erhobene Zeigefinger (wirkt böse, dominant)
8. Der abwehrende Bremsfuß (erhobener Schuh signalisiert Abwehr)
9. Der Cowboy-Stand (zu breit zu stehen signalisiert Territoriumsanspruch)
10. Die Pipi-Haltung (Füße im Stehen überkreuzen wirkt verklemmt und devot)

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