Der Markt für Personalvermittlung wächst. In den nächsten Jahren werden vor allem IT-Kräfte gesucht.

Der Markt für Personalvermittlung ist in Österreich nach einem Rückgang 2014 wieder in die Wachstumszone zurückgekehrt. 2015 stieg der Branchenumsatz um 6,3 Prozent und die Anzahl der Vermittlungen um 3,0 Prozent. Der Gesamtumsatz der Personalvermittlung in Österreich betrug 2015 114,8 Mill. Euro. Durch die steigende Zahl offener Stellen im ersten Quartal 2016 und eine positive Prognose seitens der Unternehmen rechnet Interconnection Consulting in einer neuen Studie bis Jahresende mit einem weiteren Umsatzanstieg für die Recruiter von 5,6 Prozent. Mittelfristig wird die Gesamtanzahl der Vermittlungen zwar kaum zunehmen, der Anteil der Vermittlungen bei Fach- und Führungskräften sich jedoch zulasten der Einsteigerpositionen erhöhen. Eine Verschiebung, die den Umsatz der Branche steigen lässt, da das durchschnittliche Honorar bei der Vermittlung von Managementpersonal etwa sieben Mal höher ist als bei Einsteigerpositionen.

Von den drei untersuchten Segmenten wird demgemäß der Bereich Executive Search bis 2019 am meisten zulegen (+4,6 Prozent/Jahr). Während in diesem Segment
ein anhaltendes überdurchschnittliches Wachstum vorherrscht, gibt es in den anderen beiden Segmenten einen starken Preis- und Wettbewerbsdruck, verursacht durch viele kleine Personalvermittler und Zeitarbeitsunternehmen, die vermehrt in diese Bereiche vordringen. Im Segment der Vermittlung von qualifizierten Fachkräften, die vorwiegend im operativen Bereich tätig sind und jährlich zwischen 30.000 Euro und 75.000 Euro verdienen, wird die jährliche Umsatzsteigerung im Prognosezeitraum lediglich 1,7 Prozent betragen. Bei der Vermittlung von Arbeitskräften für Berufseinsteigerpositionen, deren jährliches Einkommen 30.000 Euro nicht überschreitet, wird es mit 0,8 Prozent pro Jahr bis 2019 das geringste Wachstum geben.

Die Kundensegmente wurden von Interconnection in zehn Bereiche aufgegliedert. Dabei stellt der Bereich Finanzen & Professionals mit 23,3 Prozent den größten Anteil. 2015 lag der Umsatz in dieser Berufsgruppe bei 26,7 Mill. Euro. Vertrieb & Marketing als zweitgrößtes Segment schafft es auf einen Anteil am Gesamtmarkt von 17,2 Prozent. Die Berufsgruppen mit den am stärksten erwarteten Wachstumsraten sind Life Science mit 4,8 Prozent durchschnittlichem jährlichen Wachstum bis 2019 und der IT-Sektor mit 5,1 Prozent. Als Gründe für die steigende Nachfrage im IT- Bereich werden in der Studie die zunehmende Digitalisierung, E-Commerce und die Industrie 4.0 mit riesigen zu bewältigenden Datenmengen angeführt.

Das Honorar der Personalvermittler richtet sich meist nach dem Bruttojahresgehalt der Position und liegt zwischen 24 Prozent für nationale Projekte und bis zu 36 Prozent des Bruttojahresgehalts für internationale Suchaufträge. Die zwei häufigsten Abrechnungsmodelle in der Personalvermittlungsbranche sind dabei die klassische Drittelregelung (ein Drittel des Honorars bei Auftragserteilung, zweites Drittel bei Präsentation der Kandidaten, drittes Drittel bei Einstellung eines der präsentierten Kandidaten) mit einem Anteil von 62,3 Prozent und das Erfolgshonorar mit 15,5 Prozent.

Eine der größten Herausforderungen für die Personalvermittlerbranche stellt der demografische Wandel dar, der auch eine steigende Nachfrage bei Gesundheitsdienstleistungen mit sich bringt. Gleichzeitig wird es aufgrund der Migrationsbewegungen 2020 rund 320.000 mehr Arbeitskräfte am Markt geben. Aber nicht nur das Arbeitskräftereservoir steigt, sondern auch der Wunsch nach Veränderung in bestimmten Lebensphasen. „Die Zahl der wechselwilligen Mitarbeiter in allen Branchen ist seit Jahren steigend“, erklärt Studienautor Christian Gebhardt. Der Markt unterteilt sich immer stärker in Qualitätsanbieter, die mit unterschiedlichen Such- und Beurteilungsmethoden bei der Personalsuche vorgehen, und den Personaldienstleistern, die einen rein statusorientierten Abgleich zwischen Kandidatenprofil und aktuellem Stellenprofil durchführen.

Wermutstropfen: Die Unternehmen stellen eine sinkende Bewerberqualität, resultierend aus einem zunehmenden Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt, fest.

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