Seit Jahren stehen MBA hoch im Kurs. Doch halten die Versprechungen und Erwartungen der Realität stand? Sechs Mythen auf dem Prüfstand.

Auch in der Bildung gibt es Moden: etwa den MBA (Master of Business Administration). Im Laufe der Zeit haben sich einige Mythen über MBA-Programme festgesetzt. Dabei wird eines gern vergessen: Ein MBA-Titel ist kein automatischer Garant für beruflichen Erfolg. Denn vieles hängt von einem selbst ab. Vor der Entscheidung für einen bestimmten MBA lohnt es sich deshalb, sich genauer mit Pauschalisierungen, Versprechungen und Halbwahrheiten auseinanderzusetzen. Die Dekanin der WU Executive Academy, Barbara Stöttinger, erklärt die sechs hartnäckigsten MBA-Mythen und warum sie – trotz berechtigter Kritik – eine glühende MBA-Verfechterin ist.

Ein MBA garantiert beruflichen Erfolg und macht reich.

Eine weitverbreitete Meinung ist, dass ein MBA-Titel in direktem kausalen Zusammenhang mit beruflichem Aufstieg und höherem Gehalt steht. Das stimmt so jedoch nicht ganz. Statistiken belegen zwar, dass viele Absolventen bereits während oder nach ihrem Studium einen deutlichen Karrieresprung machen. Hinter diesen Zahlen stecken zumeist sehr engagierte Manager, die mit großem Aufwand versucht haben, das Beste aus ihrem MBA-Studium herauszuholen. Auch wenn ein MBA-Titel nicht automatisch einen Aufstieg bewirkt, legt er zumeist den Grundstein dafür. Im Verlauf des Programms erhalten die Studierenden nicht nur das neueste Wissen über die komplexen Zusammenhänge der Businesswelt, sondern erarbeiten sich auch viele praktische Anwendungsbeispiele und bauen nebenbei ein exklusives berufliches Netzwerk auf. Dies ist ein Schlüsselaspekt – denn der berufliche Erfolg ist weniger vom Titel als vielmehr vom erworbenen Know-how und vom „Know-who“ abhängig.

MBA-Absolventen sind erfolgreiche Entrepreneure.

Erfolgreiche Gründer zeichnen sich vor allem durch Mut, Risikobereitschaft, Durchsetzungsvermögen, Offenheit, Kreativität, Fantasie und das Talent aus, sich selbst und ihre Ideen erfolgreich zu vermarkten. Wer diese Fähigkeiten nicht mit sich bringt, wird sich als selbstständiger Unternehmer schwertun – egal ob mit MBA oder ohne.
Für Entrepreneure kann der richtige MBA dennoch hervorragende Dienste leisten: In MBA-Programmen lernen die Teilnehmer, in Märkten, Chancen und Möglichkeiten zu denken. Die Fähigkeit zur Umsetzung ist entscheidend. Das Sprichwort „Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“ klingt super, ist aber leider Unsinn. Die beste Idee nutzt nichts, wenn das Wissen und die Fähigkeiten dazu fehlen, sie auch wirtschaftlich auf Schiene zu bringen.

Wer braucht schon einen MBA? Ein Wirtschaftsstudium tut’s auch.

Klingt auf den ersten Blick einleuchtend, entpuppt sich aber bei näherer Betrachtung als völlig falsch: Ein MBA ist nicht einfach nur ein aufgemotztes Wirtschaftsstudium für Menschen, die es sich leisten können. Ganz im Gegenteil. Zwar werden im MBA-Studium ähnliche Inhalte vermittelt, doch stehen beim MBA die unzähligen praktischen Anwendungsmöglichkeiten im Vordergrund. Da die Teilnehmer immer über mehrere Jahre Berufserfahrung verfügen, profitieren sie enorm von den Erfahrungen und Herangehensweisen ihrer Mitstudierenden. Dies gilt insbesondere dann, wenn unterschiedliche Nationalitäten, Kulturen und Studienabschlüsse, die oft aus dem nicht wirtschaftswissenschaftlichen Bereich stammen, aufeinandertreffen.

MBA-Absolventen geht es nur um Geld und Macht.

Kritische Stimmen behaupten, dass Menschen mit einem MBA-Abschluss nur darauf aus sind, ihr Geld und ihre Macht zu vermehren, und dass ihnen ihr Gehaltszettel wichtiger ist als die Loyalität ihrem Arbeitgeber oder ihren Mitarbeitern gegenüber. Manche gehen sogar so weit, ihnen eine Mitschuld an der Finanz- und Wirtschaftskrise zu attestieren. Auch dieser Mythos spiegelt nicht die Realität wider. Abseits einiger schwarzer Schafe geht es den meisten MBA-Teilnehmern nicht um ihren Gehaltszettel, sondern darum, etwas auf der Welt zu bewirken. Sie machen es mit dem Ziel, Erfahrungen mit Menschen unterschiedlichster kultureller und beruflicher Herkunft auszutauschen und ihren persönlichen Horizont zu erweitern, um das Leben mit neuen Augen zu sehen.

MBA-Absolventen sind nicht in der Lage, über den Tellerrand zu blicken.

Viele MBA-Absolventen sind von den wirtschaftlichen Prinzipien und Theorien überzeugt, die sie an der Universität gelernt haben. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass diese so in der Realität nicht mehr funktionieren, weil sich die komplexen Herausforderungen einer modernen Businesswelt nicht mehr mit Schema-F-Modellen erklären lassen. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Man braucht nicht lange zu suchen, um herauszufinden, dass MBA-Absolventen nicht nur „out of the box“ denken. Sie erfinden die Wirklichkeit manchmal auch neu, etwa wenn man an Meg Whitman, Harvard-Business-School-Absolventin, denkt. Sie übernahm im Jahr 1998 ein 30-Leute-Start-up namens eBay, führte es erfolgreich an die Börse und machte damit ein Milliardenvermögen. Oder Tim Cook, CEO von Apple. Schema-F-Modelle funktionieren einfach nicht bei jemandem, der durch seine Erfindungen die Spielregeln ganzer Branchen regelmäßig neu definiert.

MBA-Programme sind viel zu teuer.

Um ein renommiertes MBA-Programm zu besuchen, muss man bisweilen tief in die Tasche greifen. Laut aktuellen Studien liegen die durchschnittlichen Kosten für ein MBA-Studium in Europa bei etwa 40.000 Euro. Für einen MBA an einer angesehenen Spitzenuniversität sind schnell jenseits der 100.000 Euro zu berappen. So etwas zahlt man nicht einfach aus der Portokasse. Bedenkt man aber, dass viele Menschen in der westlichen Welt bereit sind, alle paar Jahre genauso viel Geld für ein neues Auto zu investieren, dann relativieren sich diese Kosten recht schnell. Während das Auto bereits an Wert verliert, wenn man beim Händler aus der Einfahrt fährt, ist der MBA eine nachhaltige Investition in sich selbst: Er ist nicht nur ein kraftvoller Karrieremotor, er eröffnet auch völlig neue Karriereperspektiven.

 

Bild: Marco Riebler

FacebookMore...