Zahl der Lehrlinge sinkt dramatisch. Im gesamten touristischen Bereich stehen einem Lehrstellensuchenden drei offene Stellen gegenüber.

Alarmstimmung im heimischen Tourismus: Es herrscht eklatanter Lehrlingsmangel. „In den vergangenen zehn Jahren sind die Lehrlingszahlen um 30 Prozent gesunken“, berichtete die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, vor wenigen Tagen beim Jahreskongress in Zell am See. Zwischen 2004 und 2014 sei die Zahl der Lehrlinge unter 10.000 gefallen. Früher seien es noch 14.000 gewesen. Etwa zwei Drittel der Hotellehrlinge werden in den rund 1300 ÖHV-Mitgliedsbetrieben, also in Vier- und Fünfsternehotels, ausgebildet.
Im heimischen Tourismus waren 2015 österreichweit im Durchschnitt 1485 Lehrstellen unbesetzt. Besonders massiv ist das Problem im Westen Österreichs. „In Salzburg haben wir zehn Mal so viele Lehrstellen wie Suchende, in Wien hingegen doppelt so viele Suchende wie Stellen“, berichtete Johannes Kopf, Vorstand des AMS Österreich, beim Hotelierkongress. Zu Beginn der Wintersaison 2015/16 gab es allein in Tirol 180 offene Lehrstellen.
„Damit der Tourismus die Mitarbeiter bekommt, die er braucht, ist ein Bündel an Maßnahmen notwendig“, sagte Kopf und verwies auf das Image der Branche, Anreize für die überregionale Stellenvermittlung und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
So schlecht könnten die Bedingungen allerdings nicht sein, wenn so viele ausländische Bewerber in der österreichischen Hotellerie arbeiten wollen, kontert Reitterer. Der Tourismus sei ein Jobmotor: „Es haben immer mehr Hotels aufgesperrt und neue Hotels brauchen mehr Mitarbeiter.“
Von den rund 200.000 Beschäftigten im Tourismus ist rund die Hälfte aus dem Ausland und davon wieder jeder Zweite aus den alten EU-Ländern. Der zunehmende Überhang an ausländischen Kräften liegt klar auf der Hand: Im abgelaufenen Jahr kamen 5700 ausländische Beschäftigte hinzu, parallel dazu fielen 500 inländische Arbeitnehmer weg.
„Allein aus Ungarn bekomme ich mehr als 30 Bewerbungen pro Tag. Viele wollen auf Saison gehen, einige bewerben sich paarweise“, erzählte Reitterer, der in Wien das Boutiquehotel Stadthalle gehört. Sie wertet auch Flüchtlinge als wertvolles Arbeitskräftepotenzial, „aber nicht nur für den Tourismus, sondern für alle Branchen“. Das Problem ist nicht auf die Hotellerie allein beschränkt: Laut den zuletzt verfügbaren Daten des Sozialministeriums waren Ende November 2015 knapp 4200 offene Stellen im Tourismus gemeldet. Auf 480 Lehrstellensuchende in der Branche kamen 1500 offene Lehrstellen, also rund drei Mal so viele.

(BILD: SN/BERNHARD SCHREGLMANN)

FacebookMore...