Das Leben kann einen aus der Bahn werfen. Vorbereitungskurse helfen jenen Schülern, die den Pflichtschulabschluss im ersten Anlauf nicht geschafft haben. Vier junge Männer erzählen,
wie es ihnen beim Lernen geht.

Shafi Mirzahi ist 20 Jahre alt. Dennoch konnte er bis vor Kurzem kein Wort lesen. „Ich habe in Afghanistan als Automechaniker gearbeitet, in der Schule war ich nicht“, erzählt er. Seit dreieinhalb Jahren ist er in Österreich. Nun spricht er gut Deutsch, gibt Hausübungen ab und schreibt Prüfungen: Im Juni will er sein Zeugnis in Händen halten, das ihm eine Lehrstelle ermöglicht.

Mirzahi sitzt in einem Kurs der Volkshochschule Salzburg, der 18 bis 20 Schüler auf den Pflichtschulabschluss vorbereitet. Den Kurs besuchen junge Menschen, die den Hauptschulabschluss auf klassischem Weg nicht geschafft haben. Zudem sind Flüchtlinge in dem Kurs, die entweder keine Ausbildung haben oder deren Zeugnisse nicht anerkannt werden. Die Schüler sollen eine zweite Chance auf eine Lehrstelle haben. Welche Institutionen einen Vorbereitungskurs anbieten, hängt vom Bundesland ab. Neben der Volkshochschule führen in Salzburg das BFI, der Verein Einstieg, der Verein VIELE und das WIFI Lehrgänge durch.

Ismar Hrnjica hat klare Vorstellungen, was er mit seinem Abschluss erreichen will. Der 17-jährige Bosnier will unbedingt Automechaniker werden. Schon vergangenes Jahr hatte er probiert, einen Platz im Kurs zu ergattern. Doch alle Sessel waren bereits vergeben. Jetzt sei er froh, lernen zu dürfen: „Meine Lieblingsfächer sind Deutsch, Geografie und Geschichte“, sagt Hrnjica. Mathematik mag er indes nicht so gern, das Fach sei oft zu kompliziert.

Mehdi Mohammadi ist der Älteste in seiner Klasse, vor einem Jahr kam er nach Österreich. „Im Iran war ich illegal, ich hatte deshalb keine Zeugnisse, ich hatte gar nichts“, sagt der 32-Jährige. Er schlug sich als Schweißer und Maler durch, bis er schließlich flüchtete. Für den Kurs habe er sich angemeldet, weil er später im Kindergarten arbeiten will. „Ich mag Kinder, ich unterhalte mich gerne mit ihnen. Sie sprechen sehr einfach“, sagt Mohammadi.

Um in einem Kurs an der Volkshochschule teilnehmen zu können, müssen die Anwärter grundlegende Kenntnisse in Deutsch vorweisen, mindestens 16 Jahre alt sein – und den Einstufungstest bestehen. Ein positiver Asylbescheid ist nicht zwingend notwendig. „Viele Asylbewerber warten bis zu einem Jahr auf den Bescheid, das wäre verlorene Zeit“, sagt Yvonne Wagner, Fachbereichsleiterin. Die Kurse dauern von September bis Juni. Und: Zwei Drittel der Schüler schafften vergangenes Jahr den Abschluss.

Der 19-jährige Syrer Mohammed AlSheikh Ahmad wirkt noch unschlüssig, wo es nach dem Abschluss hingehen soll. „Eigentlich wollte ich Polizist werden, doch dafür bräuchte ich die Staatsbürgerschaft“, sagt er. Vor Kurzem hatte er in einer Autowerkstatt geschnuppert – doch das hat ihm nicht gefallen. Als er nach Hause kam, war er voll mit Öl beschmiert. Derzeit arbeitet der 19-Jährige als Küchengehilfe. Vielleicht wäre doch Koch das Richtige für ihn. „Ich will einen Tag lang in die Arbeit als Koch und Kellner hineinschnuppern, dann weiß ich es.“ Eines steht für ihn jedenfalls fest: Er will Deutsch lernen, bis er es fast perfekt kann. „Vielleicht mache ich auch Matura und studiere dann. Lehrer zu sein wäre schön.“

Schülern wie AlSheikh Ahmad steht während des Kurses eine Sozialarbeiterin bei. Sie hilft bei der Berufsorientierung und sucht gemeinsam mit Schülern nach Lehrstellen. AlSheikh Ahmad ist sehr dankbar dafür. „Alle Leute sind so nett und freundlich hier.“ Besonders seiner Lehrerin möchte er danken: „Sie erklärt immer alles so lange, bis ich es verstehe. Es ist fast so, als spräche sie meine Muttersprache.“

Text: SN/Angelika Wienerroither
Bild: SN/Fotomek-Fotolia

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