In meinen Karriereseminaren für das Careercenter Salzburg und an der Uni Bozen frage ich am Beginn der Veranstaltungen die Teilnehmer immer nach ihren Lieblingsunternehmen. Wo möchtet ihr arbeiten? Was spricht euch an? Es sind die Produktmarken, die Eindruck auf die angehenden Absolventen machen. Kaum jemand berichtet etwa über wirkliche Führungs- und Prozessqualitäten, schon gar nicht über Weltbilder der genannten Unternehmen. Ich habe bei meiner Eingangsfrage im Seminar begonnen hinzuzufügen: „Bitte nicht die Firmen BMW, Red Bull und Google nennen.“ Zu stereotyp gerieten die meisten Antworten.

Die Lücke am Weg zum coolen Job wird noch vergrößert, wenn Uniabgänger ausschließlich ihr erworbenes Fachwissen als ihren Bonus präsentieren, soziale Fähigkeiten und grundlegende Werte aber als geringwertig ansehen. Meist treffen sich Unternehmen und Jobsuchende dann bei der Leerformel: Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Flexibilität. Alle suchen sie, alle haben sie, niemand unterscheidet sich. Alle wollen sich möglichst professionell bewerben, ein starkes Anschreiben, perfekte Lebensläufe, im Vorstellungsgespräch mit allen Wassern gewaschen sein, aber kaum jemand macht sich Gedanken über das richtige Zusammenpassen. Ich habe einige Führungskräfte von Unternehmen getroffen, die extrem coole Arbeitsplätze anbieten. Allen ist zuzurechnen, dass sie Individualismus sehr viel Raum geben. Allen ist eigen, dass sie sowohl der Lässigkeit als auch der Verlässlichkeit hohen Wert beimessen. Viel Freiheit ist gepaart mit hohem Verantwortungsvermögen und gleichzeitig arbeiten alte Hasen mit traditionellerem Arbeitsverständnis mit jungen Wilden zusammen. Coolness entsteht über das Einbringen von Persönlichkeit und deren Entfaltung, auch in der Karriere.

Mag. Christian Holzer ist Work-Life-Balance-Karriereexperte. Er arbeitet als Unternehmensberater für sozial nachhaltige Unternehmen und ist Buchautor. 

Bild:Fotolia/bernardbodo

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