Gönnen Sie sich wegen eines Arbeitserfolgs manchmal etwas Gutes, etwas Schönes? Und Hand aufs Herz: Gönnen Sie auch jemand anderem etwas, in der Arbeit? Ist Ihnen ein Kundengespräch wirklich gut gelungen, belohnen Sie sich dafür? Setzen Sie sich nach dem guten Gespräch an einen ruhigen Ort im Unternehmen und genießen den kleinen Erfolg, schauen vor sich hin oder in die Luft, lächeln?

Würde das toleriert oder würden sie schiefe Blicke ernten, angesichts ihrer Unproduktivität, ihres unkommentierten Lächelns? Oder kämen Kollegen des Weges, denen auffällt, dass sie sich freuen? Würden diese Kollegen sich mitfreuen? Utopie, sagen Sie!

Eine Unternehmenskultur des Gönnens und der Wertschätzung ermöglicht leichter ein Innehalten, einen Blick zum anderen. Im Wohlfühlen entsteht Kreativität. Sie ist allerdings nicht anordenbar, sie entsteht. Meistens nicht am Schreibtisch, sie taucht unvermutet auf, oft in Interaktion. Ein prognostizierter Toperfolgsfaktor in modernen Arbeitssystemen ist die Qualität bestehender Netzwerke. Mitunter sind es unkonventionelle Vorgangsweisen, die einen Erfolg möglich machen, mitunter in ungewöhnlichen Kooperationen. Es ist nicht die Abarbeitung vorgegebener, maschinenartiger Abläufe, die uns ein gutes Gefühl macht, wir fühlen uns eher wie im Hamsterrad, aus dem es kein Entrinnen gibt. Es ist die Kraft,  positive Augenblicke zu erkennen und zu genießen für sich und andere. Daniel Goleman beschreibt in seinem Wirtschaftsbestseller „Emotionale Intelligenz“ eine Untersuchung: Warum wurden die Besten einer wissenschaftlichen Denkfabrik bei gleichwertiger Ausbildung und ähnlichen Rahmenbedingungen zu den Besten? Ergebnis: Die Stars hatten gute tragfähige Netzwerke. Wer nur in Konkurrenz denkt, wird weniger Freunde des Gönnens haben.

Mag. Christian Holzer ist Work-Life-Balance-Karriereexperte. Er arbeitet als Unternehmensberater für sozial nachhaltige Unternehmen und ist Buchautor.

FacebookMore...