Es kommt nicht nur auf das Fachwissen an. Schon Lehrlinge müssen richtig auftreten und kommunizieren können.

Wenn Personalchefs aus dem Nähkästchen plaudern, wollen sie zumeist anonym bleiben. Nur so können sie offen reden über das, was sie täglich erleben. Das trifft auch und besonders beim Thema Lehrlinge und deren Basiswissen und Sozialkompetenzen zu. „Ich verstehe es ja, wenn Bewerber, die erst ein, zwei Jahre im Land sind, nicht richtig schreiben oder sich nicht korrekt ausdrücken können, aber dass das auch für junge Leute gilt, die im Lungau geboren sind und dort ihre Schulausbildung mit halbwegs guten Noten abgeschlossen haben, ist mir wirklich ein Rätsel“, sagt beispielsweise der Lehrlingsbeauftragte eines großen Betriebs in Salzburg.

Er spreche da nicht von Ausnahmefällen, versichert er. Vor allem die fehlenden Soft Skills der jungen Leute bereiten ihm zunehmend Sorge. „Aufgrund des guten Firmenrenommees bewerben sich bei uns auch wirklich hervorragende Kandidaten. Doch selbst unter den Besten finden sich immer noch viele, die wir so, wie sie sich im Bewerbungsgespräch präsentieren, so schnell nicht auf Kunden, Lieferanten oder ein Team loslassen können.“

So würden viele Bewerber schon im ersten Gespräch verschlossen und unhöflich wirken. „Dabei sind sie häufig nur unsicher. Sie wissen nicht genau, was zu tun ist, was von ihnen erwartet wird, und blocken dann einfach.“ Zudem mangle es den angehenden Lehrlingen sehr oft an Kritikfähigkeit und der Bereitschaft, zuzuhören. Dabei wären gerade die Soft Skills wie z. B. Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Engagement und Belastbarkeit, Kommunikationsbereitschaft, Sozialkompetenz, Flexibilität, Kreativität oder Eigenmotivation ganz entscheidend. „Wären diese Eigenschaften verzichtbar“, sagt der Experte, „könnten z. B. viele der heutigen kaufmännischen Jobs schon bald durch Maschinen bzw. Roboter ersetzt werden.“

Kein Wunder also, dass immer mehr größere Betriebe dazu übergehen, ihre Lehrlinge entweder in internen Schulungen oder z. B. über Bildungswerke wie das Salzburger BFI auch in puncto Persönlichkeit und Soft Skills zu schulen. Doch auch für KMU gibt es geeignete Mittel und Wege. Ein Pilotprojekt für Lehrlinge in Tischlereibetrieben beispielsweise fand Ende 2015 seinen Abschluss: 14 oberösterreichische Tischlereien feierten auf dem dritten „SOKO Lehrling“-Kolleg die erfolgreiche Neuausrichtung ihrer Lehrlingsausbildung. „SOKO“ steht für „soziale Kompetenz“.

Das Projekt, in dem Lehrlinge und auch ihre Ausbildner im Betrieb geschult werden, ist eine Initiative des Möbel- und Holzbau-Clusters OÖ und der Firma Heartbeat (Lehrling mit Herz und Hirn). „Unser Ziel ist es, durch den Aufbau von in ihrer Persönlichkeit gereiften Lehrlingen und der Begleitung der Unternehmen in diesem Prozess einen nachhaltigen Beitrag zur positiven Entwicklung der Wirtschaft zu leisten“, sagt Eckart Herbe vom Möbel- und Holzbau-Cluster. Das scheint gelungen. „Unsere Lehrlinge haben sich in ihrer Kommunikationsfähigkeit, ihrem Auftreten, ihrem Selbstbewusstsein und in ihrer Teamfähigkeit sehr positiv entwickelt“, resümiert die „Die Tischlerin“-Chefin Ulrike Rischl-Kaun: „Aber ganz neu ist, dass sie auch wirklich stolz auf ihren Beruf sind.“
Autor: SN/Ute Dorau
Bild: SN/BILDERBOX.COM

FacebookMore...