Informationstechnologien werden im Industrie- und Produktionsbereich immer wichtiger: Das bringt sowohl Chancen als auch Gefahren mit sich. 

Salzburg. Wie schaffen es Salzburger Unternehmen, künftig dynamischer zu werden? Welcher Umbruch findet gerade in Industrie- und Produktionsbetrieben statt und welche Auswirkungen hat das nicht nur auf das Berufsleben, sondern auch auf den Alltag? Antworten auf diese Fragen suchten Irene Schulte, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Salzburg, und Stefan Wally, Politikwissenschafter an der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, im Rahmen eines gemeinsamen Vortrags beim Karriereforum Salzburg in der Alten Residenz zu Salzburg. Einig waren sich beide darin, dass das Schlagwort Industrie 4.0. zahlreiche Veränderungen für Unternehmen und Arbeitnehmer mit sich bringt. „Früher waren es Neuerungen wie die während der industriellen Revolution entstandene Dampfmaschine, die für Fortschritt gesorgt haben. Heute, im Zeitalter der Industrie 4.0., ist es zum Beispiel die Digitalisierung in der Produktion.“

Schulte hob vor allem die positiven Aspekte hervor: In Salzburg gibt es bereits viele Betriebe, die sich dieser Herausforderung im technischen Bereich erfolgreich stellen. „Bei der zur Amer-Sports-Gruppe gehörenden Firma Atomic wird zum Beispiel jeder Produktionsschritt bei der Skiherstellung digital abgebildet“, sagte Schulte. Ein weiteres Beispiel sind Toilettenspender der Firma Hagleitner, die sich von selbst melden, wenn sie gefüllt werden müssen. Die Produkte, so lobt sie, werden in allen Bereichen immer innovativer.
Eine etwas kritischere Sichtweise als Schulte nahm zunächst Wally ein: Als großes Problem der Industrie 4.0. ortete der Politikwissenschafter den Bereich Datenschutz. „Nicht nur, aber vor allem über Facebook werden viele private Daten gesammelt.“ Damit geht ein Sicherheitsproblem einher. Daten können jederzeit missbraucht, falsch eingespeichert und über größere Netzwerke verbreitet werden. Zugleich entsteht durch die Verschmelzung von Industrie, Produktion und digitaler Technik eine Fortbildungsherausforderung. „Arbeitnehmer müssen immer weiter lernen und sich fortbilden. Das kann zusätzlichen Stress bedeuten und auch Auswirkungen auf die Freizeit haben.“ Wally sieht auch ein soziales Problem: „Unqualifiziertere Arbeiter wurden in der Vergangenheit oft leichter in Industriebetrieben untergebracht. Das wird in Zukunft nicht mehr in diesem Maße möglich sein.“ Demgegenüber stellt der Experte der Robert-Jungk-Bibliothek höhere Produktivität, individuellere Abstimmung bei den Produkten, einen abwechslungsreicheren Arbeitsalltag und den Austausch mit Kulturen, die er als Vorteile begreift.
Die Vortragenden gingen auch der Frage nach, was Salzburg als Wirtschaftsstandort braucht, um in Zukunft bestehen zu können. Neben lebenslangem Lernen der Mitarbeiter hält Schulte IT-Kompetenz für unerlässlich. „Salzburg braucht Menschen mit IT-Know-how. Informatik ist ein Bereich, der sehr gefragt ist.“ Generell liegen technische Berufe voll im Trend. Die IV-Geschäftsführerin erachtet es als positiv, dass der Umgang mit dem Computer in Schulen neben Rechnen, Lesen und Schreiben fest verankert ist. Wally nahm jeden Einzelnen in die Pflicht. „Menschen müssen Lust auf Neues und Leistung haben.“

Autor: SN/Jörg Ransmayr
Foto: SN/Marco Riebler

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