Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt noch länger angespannt. Warum die Jugend trotzdem allen Grund zur Zuversicht hat.

Über das Leben junger Menschen gibt es zwei Meinungen. Manche finden das Umfeld für die „heutige Jugend“ höchst beneidenswert, jedenfalls in unseren Breitengraden. Der materielle Wohlstand ist nach Jahrzehnten des Friedens und der Stabilität auf hohem Niveau. Es gibt gute Ausbildungsangebote, zudem machen es internationale Austauschprogramme und EU-Freizügigkeit jungen Menschen so leicht wie nie, im Ausland Sprachen zu lernen und ihren Horizont zu erweitern. Und dann gibt es die pessimistische Sichtweise derer, die mit den Jungen nicht tauschen wollen. Sie sehen vor allem die Kehrseite der Medaille. Denn viele Jahre ständigen Wachstums haben die Latte für die Zukunft extrem hoch gelegt. Einiges deutet darauf hin, dass es für die Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen nicht leichter wird. Jungsein ist heute kein Honiglecken mehr, die lustigen Jahre sind vorbei. Da ist es nicht mehr weit zu „no future“.
Trotzdem zeigt eine repräsentative Umfrage, dass bei den Jungen der Optimismus überwiegt. Fast drei Viertel rechnen damit, den Lebensstandard ihrer Eltern erreichen oder übertreffen zu können. Nur jeder zweite Erwachsene teilt diese Meinung.

Wie geht das zusammen? Ist die Jugend naiv und blauäugig? Einiges legt tatsächlich nahe, dass der Wohlstand in unserer Gesellschaft den Höhepunkt bereits überschritten haben könnte. Dafür spricht die holpernde Wirtschaftsentwicklung ebenso wie die nahe gerückten geopolitischen Krisenherde. Flüchtlinge gab es früher irgendwo auf der Weltkarte, aber heute marschieren sie über unsere Autobahnen. Vor allem die Situation am Arbeitsmarkt bereitet Sorgen. Der Kampf um attraktive Jobs ist erbittert wie noch nie in der Nachkriegszeit. Junge schlagen sich mit Gelegenheitsjobs und Praktika durch, um wenigstens irgendwie am Jobmarkt Fuß zu fassen. Doch die Rechnung geht oft nicht auf, denn für lukrative Positionen können Personalchefs aus Hunderten Bewerbern auswählen. Der endlose Eiertanz um die überfällige Bildungsreform zeigt außerdem, dass die Jugend trotz gegenteiliger Beteuerungen kein zentrales Anliegen der Politik ist.

Das sind aber keine Gründe, die Hoffnung fahren zu lassen. Im Gegenteil. Nie braucht man eine Taschenlampe dringender, als wenn man einen dunklen Tunnel vor sich hat. Gerade der Optimismus der Jungen gibt Anlass zur Hoffnung. In Verbindung mit innovativen Fähigkeiten, sich zu vernetzen und in neuen Zusammenhängen zu denken, ist er die Basis dafür, dass die Jungen in der künftigen Welt bestehen und dabei auch noch glücklich werden können.

Autor: SN/Helmut Kretzl
Foto: Fotolia 

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