Wenn Lehrlinge von heute  auf ihre Lehrlingsausbildner treffen, die oft drei Mal so alt wie sie sind, kann es zu Konflikten kommen. Michael Rechberger ist hier erfolgreich als Vermittler tätig.

Wenn Jugendliche plötzlich gemeinsam aus Ytong-Steinen eine Skulptur bauen, eine Firmen-Hymne texten oder dem Vorstandsvorsitzenden auch unbequeme Fragen stellen: Dann kann es sein, dass Michael Rechberger dahintersteckt.

Der 44-Jährige ist einer von drei Partnern der Firma kre-aktiv. Sie beschäftigt sich mit Personalentwicklung und Führungskräfte-Trainings – und ist für Firmen wie Emco, Bauhaus oder das Finanzministerium tätig.

Mit besonders viel Herzblut engagiert sich der studierte Betriebswirt aber im Bereich Lehrlingsausbildung. Am wichtigsten ist ihm, zwischen den Lehrlingen und ihren Ausbildnern eine Kommunikationsbasis zu schaffen. Das sei angesichts der verschiedenen Generationen oft nicht leicht, sagt Rechberger. „Lehrlinge von heute sind Teil der sogenannten Generation Ladekabel. Die kennen eine Welt ohne soziale Medien und Smartphones gar nicht mehr.“ Wenn sie auf Lehrlingsausbildner träfen, die oft über 50 seien und selbst meist sehr strenge Chefs erlebt hätten, seien Konflikte programmiert: „Predigen wie der Pfarrer von der Kanzel kommt bei den heutigen Jugendlichen nicht mehr an.“

Denn noch vor zehn oder 15 Jahren sind nach Rechbergers Erfahrung junge Mitarbeiter mit der Aussicht auf ein höheres Gehalt, auf ein Dienstauto oder ein anderes Statussymbol motivierbar gewesen. Respekt vor dem Chef sei damals der Normalfall gewesen. „Heute werden Autoritäten nicht mehr automatisch anerkannt. Und Respekt muss sich auch der Chef erarbeiten – durch seine Persönlichkeit.“
Als ersten Schritt spricht Rechberger zunächst mit den Lehrlingsausbildnern. „Die kämpfen oft selbst darum, einen Zugang zu den jungen Leuten zu bekommen“, sagt Rechberger, der selbst eine 14-jährige Tochter hat.
Um die Persönlichkeitsentwicklung geht es dann, wenn Rechberger bei Firmen wie der Spedition Gebrüder Weiss mit den Lehrlingen und ihren Ausbildnern auf mehrtägige Camps fährt. Neben Outdoor-Aufgaben wie Rafting-Touren standen auch ein Firmen-Quiz, bei dem die Lehrlinge gegen die Ausbildner antreten, sowie die Diskussion mit dem Vorstand auf dem Plan.

Im letzten Camp mit dabei war etwa Renato Rieger. Der 18-Jährige erzählt: „Ich habe Leute kennengelernt, die ich bisher nur vom Telefonieren kannte. Das hat dazu geführt, dass ich jetzt viel offener mit den Kollegen umgehe.“ Und seine Kollegin Eva Weinbacher (18) sagt: „Ich kann meine Leistung jetzt besser einschätzen und traue mir mehr zu.“

Von den Camps profitiert aber auch die Firmenleitung – wie Lehrlingsbeauftragte Anja Dolze bestätigt: „Wir bekommen durch die Camps auch Feedback über unsere Lehrlinge.“ Und sie ist stolz darauf, dass in den letzten zehn Jahren nur eine Jugendliche die Lehre abgebrochen hat.

Rechberger, der je nach Aufgabe auch auf ein Netzwerk von rund 20 Trainerinnen und Trainern zurückgreifen kann, ist bei den Lehrlingen vor allem eines wichtig: „Die Wertvorstellungen in der Pubertät sind ständig im Wandel.“ Darauf müssten die Chefs reagieren.

Und er widerspricht dem Vorurteil, dass die Jugend von heute fauler sei als in früheren Generationen. Die Jugendlichen würden einfach genauer abwägen: „Bei ihnen sind Berufs- und Privatleben nicht mehr so strikt getrennt. Trotzdem muss die Work-Life-Balance stimmen. Für viel Geld wird da nicht mehr automatisch die Freizeit geopfert.“

Autor: Stefan Veigl/SN

 

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