Für manche Lehrberufe gibt es nur wenige Plätze. Schade, denn sie bieten oft sehr reizvolle Einsatzmöglichkeiten. Insbesondere in und um Salzburg.

Fast jeder Gewerbetreibende in guter Geschäftslage der Getreidegasse hat schon mindestens ein Mal ihre Dienste in Anspruch genommen: die der Schildermacher. Korrekt sollte es natürlich heißen: Schilderhersteller/-innen. Ihre Arbeit prägt das Bild der berühmten Flaniermeile in der Salzburger Innenstadt seit Generationen und ist auf zahllosen europäischen, amerikanischen und vor allem asiatischen Touristenfotos sicher immer wieder ein Glanzstück.
Die schönen Gewerbeschilder, die über nahezu jedem Geschäft der Straße hängen, sind zum Teil kleine Kunstwerke. Kein Wunder, dass ihre Erschaffer bzw. deren Nachfolger sich auch auf Ausstellungen oder beim Handwerkermarkt des Rupertikirtags zumeist in der Gesellschaft von Vergoldern und Malern präsentieren. Allerdings ist der Bedarf an solchen Schmuckstücken außerhalb der Getreidegasse in Österreich inzwischen eher die Ausnahme.
Das mögen einige „altgediente“ und traditionsverliebte Handwerker und Kunden bedauern. Doch im Gegensatz zu manch anderem (Kunst-)Handwerk ist der Beruf des Schildherstellers eindeutig in der Neuzeit angekommen. Die Ausbildung findet daher heute vor allem am Computer statt. Es gilt, Materialienkunde zu pauken, Schriften zu erkennen und ihre Einsatzmöglichkeiten auszutesten sowie sich sehr pragmatisch auch mit Straßenschildern, Hausbeschriftungen, Werbebotschaften und Layouts auseinanderzusetzen. Für die modern orientierten Schilderhersteller ist daher gut gesorgt, denn sie werden gesucht. Wer allerdings sein Herz ausschließlich an das traditionelle Kunsthandwerk verloren hat, der findet selbst in Salzburg heute kaum noch Ausbildungsplätze und Beschäftigung.
Einige andere Handwerksausbildungen haben den Weg vom künstlerischen Handwerk hin zum praktischen, IT-dominierten wohl nicht so gut gemeistert. Gerade einmal eine Handvoll Interessenten lernt beispielsweise derzeit den einstmals so geschätzten Beruf des Büchsenmachers. Obwohl es in Österreich zahlreiche passionierte Jäger und Waffenliebhaber gibt, hält sich der Bedarf an den aufwendig in Handarbeit hergestellten Waffen in Grenzen.
Ebenso perspektivenarm – und das ist in einer Musikmetropole wie Salzburg erstaunlich – ist die Ausgangslage der angehenden Klavierbauer. Flügel, Klaviere und Pianos in Privathaushalten sind in der Stadt und im Umland erfreulich häufig zu sehen und zu hören. In der Mozartstadt wurde allerdings nie ernsthaft der Versuch unternommen, Flügel oder Klaviere in größerem Umfang zu bauen. Selbst Bösendorfer in Wien bietet nur begrenzt Ausbildungsplätze. Daher werden Klavierbauer – trotz ihrer sehr anspruchsvollen Ausbildung, die sie letztendlich zum Bau eines vollständigen Instruments befähigt – bei uns zumeist im Verkauf und in der Wartung (unter-)beschäftigt. Trotzdem übertrifft die Zahl der Bewerber das dünne Angebot um ein Mehrfaches. 2013 wurden österreichweit gerade einmal 15 Lehrlinge ausgebildet.
Dass es aber immer wieder auch zu einer Kehrtwende kommen kann, beweist die schon etwas ältere Geschichte eines sehr urigen Lehrberufs. Er ist sogar älter als die meisten der eingangs beschriebenen. Vor über 40 Jahren beschlossen alle offiziellen Gremien: Der Hufschmied ist nicht mehr. Weder Burschen noch Mädchen, die sich für eine entsprechende Ausbildung interessierten, fanden danach irgendwo eine offizielle Lehrstelle. Das lag einfach daran, dass so lang niemand mehr diesen Beruf erlernen wollte. Wird ein Lehrberuf über zehn Jahre nicht nachgefragt, kann er eliminiert werden. Ein paar Jahre später feierte die Ausbildung zum Hufschmied ihr Come-back. Das ist nicht nur den Lipizzanern der Wiener Hofreitschule zu verdanken, sondern vor allem den zahlreichen Gestüten, Reitschulen, Tierkliniken und Höfen, die seither österreichweit entstanden sind.
Das zeigt: Lehrberufe waren und bleiben etwas sehr Lebendiges – selbst dann, wenn sie schon als Rarität oder sogar als ausgestorben bezeichnet wurden.

Autor: Ute Dorau

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