Eine selbstbewusste Generation stellt die Frage nach dem Warum. Für Lehrlinge bedeutet Karriere heute weniger Geldverdienen, als einen Sinn in ihrem Beruf zu finden.

Wenn sich 16-jährige Mädchen als Ehefrauen für Ddschihad-Kämpfer andienen oder junge Burschen selbst in den Krieg ziehen wollen, dann fehlt ihnen meist eines: Sinn im Leben. Die gegenwärtige junge Generation sucht ihn vermehrt, findet ihn in einer komplexen Lebenswelt oftmals nur schwer. Auch Lehrlingsausbildner können davon ein Lied singen. Andrea Schwarz-Schneeberger vom Coachinginstitut Heartbeat weiß: Jugendliche haben ein Bedürfnis nach Orientierung, sie wollen Sinnvolles tun. Die Rückkehr vieler junger Frauen zum Herd sieht sie in ähnlichem Zusammenhang, nämlich als Wunsch, alte Traditionen wieder aufleben zu lassen.
Auf der anderen Seite seien die Jugendlichen sehr selbstbewusst. Schwarz-Schneeberger: „Sie wollen sich entwickeln und auf Augenhöhe behandelt werden. Was nicht heißt, dass sich Lehrlinge nicht an Regeln halten“, aber diese müssten sinnvoll sein. Doch Lehrlinge haben auch ganz banale Wünsche, wie die Expertin aus Gesprächen mit über 1500 Lehrlingen weiß, die in ihrem Institut bislang ausgebildet wurden. Ganz oben steht dabei, nicht angeschrien oder beschimpft zu werden, vor allem vor Kunden. Lehrlinge wünschen einen respektvollen Umgangston mit persönlichen Gesprächen und dass mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten gesetzt wird, sie wollen Erklärungen bekommen, ihre Probleme respektiert wissen. Und sie wünschen sich Lob.
Wenn früher Karriere zu machen Geld verdienen bedeutet hat, wird darunter heutzutage eine erfolgreiche Sinnfindung verstanden, beobachtet man bei Heartbeat. Raimund Lainer, Ausbildungsverantwortlicher bei der Spar AG, die pro Jahr 900 neue Lehrlinge aufnimmt, schildert, dass für Lehrlinge ein wichtiger Wert ist, Zeit zu haben. Was die Karriereperspektiven betreffe, sei mit Karriere mit Lehre ein „Weg aus der Einbahnstraße oder Sackgasse gegeben“. Die späteren Jobmöglichkeiten seien dadurch mehr geworden. Bei der Spar AG beobachtet man ebenfalls eine sehr selbstbewusste und selbstbestimmte Lehrlingsgeneration, deren Vorstellungen jedoch oftmals mit der Realität kollidieren, und zwar dann, wenn die Lehrlinge in den Wettbewerb des Arbeitsmarkts einsteigen und sich bewähren müssen. „Ich finde beides gut, sich anzustrengen, um sich zu bewähren, aber auch, eine innere Unabhängigkeit beizubehalten“, betont Lainer. Freilich ist dies eine Frage des Arbeitsmarkts, bei einer aktuellen Jugendarbeitslosigkeit von 9,6 Prozent in Österreich heißt das, viele junge Menschen müssen froh sein, überhaupt einen Job zu haben. Klaus Fetka, für die Lehrlingsausbildung bei der Porsche Holding zuständig, wo pro Jahr bis zu 200 Lehrlinge starten, sieht in der sogenannten Generation Y eine fröhliche Generation, die mit einem positiven Bild in die Arbeit geht. Treue zum Arbeitgeber hätten die jungen Menschen jedoch kaum noch, meint Fetka. Für die Unternehmen bedeutet dies umso mehr, in die Mitarbeiterbindung zu investieren.
Konzerne wie Spar oder Porsche investieren viel Geld in das Recruiting neuer Mitarbeiter und können ihnen auch entsprechende Karrieren in Aussicht stellen. Schlecht motivierte junge Menschen landen dort freilich nur selten. Schwarz-Schneeberger beobachtet hier, dass Jugendliche aus Wien oder Niederösterreich schwieriger zu motivieren seien als ihre Kollegen aus den westlichen Bundesländern. Das Problem sei ein urbanes. Ist das Umfeld der Jugendlichen zudem recht abgestumpft und sind sie an wenig Positives gewöhnt, brauche es andere Formen des Auf-sie-Zugehens und es dauere meist länger, bis sich die jungen Menschen öffneten. Das wiederum sei auch Aufgabe der Ausbildung. Lainer erzählt, dass in den eigenen Berufsschulklassen Lehrlinge aus 24 Nationen und zwölf verschiedenen Religionsgemeinschaften säßen. Im Ethikunterricht wird dafür plädiert, gegenseitig Verständnis aufzubringen. Die Berufsschule sieht er als Ort, die jungen Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen: „Sie brauchen Unterstützung. Man begleitet sie in einer spannenden Zeit, in der sich viel tut.“

Autor: Daniela Müller

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