Jährlich 250 Bewerbungen, 120 Glückliche, die zum weiterführenden Lehrlingseignungstest eingeladen werden und sich anschließend dem Auswahlverfahren für 15 bis 20 freie Lehrstellen in neun verschiedenen Lehrberufen stellen: Ein Gespräch mit Erich Reithofer, Lehrlingsausbildungsleiter der Salzburg AG, rund um das, was in einem Bewerbungsschreiben Pluspunkte bringt oder bei einem Vorstellungsgespräch so gar nicht geht.

Die Suche nach einem Lehrplatz – was gilt es zu beachten?
Wichtig ist es, seine Bewerbung noch vor Bewerbungsschluss, der bei uns in der Regel immer Ende November ist, einzuschicken. Bei vielen anderen Firmen ist es ratsam, sich bis spätestens Ende Februar zu bewerben – definitiv zu spät ist es nach Schulschluss.

Worauf achten Sie bei Bewerbungen besonders?
Die Bewerbungen können online oder konventionell – mit einer Mappe – geschickt werden. Das Anschreiben und der Lebenslauf sind bereits die erste Qualifikation. Auch Zeugnisse spielen eine große Rolle. Wenn sich Jugendliche für einen technisch-handwerklichen Beruf bewerben, sind die Noten in Mathematik und Physik, aber auch in technischem Werken ausschlaggebend; für eine Lehre im kaufmännischen Bereich die Noten in Deutsch und Englisch sowie das Vorliegen des ECDL-Führerscheins. Auch die Betragensnote wird von uns berücksichtigt.

Was gehört unbedingt ins Bewerbungsschreiben?
Grundsätzlich ist das Gesamtbild der Bewerbungsunterlagen ausschlaggebend. Das Bewerbungsschreiben selbst sollte – möglichst ohne Rechtschreibfehler – vermitteln, warum der Jugendliche genau diesen Lehrberuf erlernen möchte. Der Lebenslauf, mit einem freundlichen Foto versehen, sollte vollständig sein und alle wichtigen Informationen enthalten. Für uns von großem Interesse ist auch stets der Wohnort, da uns die Ausgewogenheit der Bezirke für die Zukunft wichtig ist.

Wenn das Bewerbungsschreiben zusagt, werde ich dann gleich zum Gespräch eingeladen?
Nein. Unser Lehrlingsauswahlverfahren untergliedert sich in drei Stufen: Durchsicht der Bewerbungsunterlagen – Lehrlingseignungstest – Bewerbungsgespräch. Nach der ersten Vorauswahl werden die Jugendlichen zum Lehrlingseignungstest am Computer eingeladen. Hierbei wird vor allem das logische Denken, das Kurz- und Langzeitgedächtnis, aber auch das räumliche Vorstellungsvermögen abgefragt. Eignungstest und Bewerbung bilden die Entscheidungsgrundlage, wer zum Gespräch eingeladen wird.

Und wenn ich diese zweite Stufe geschafft habe, was erwartet mich dann?
Dann kommt als letzter Teil das Bewerbungsgespräch, für das wir uns zirka 30 Minuten Zeit nehmen. Wir wollen einen guten Eindruck von den Jugendlichen gewinnen.

Der Kandidat ist nervös und weiß nicht, was auf ihn zukommt – welche Fragen stellen Sie denn zum Einstieg in das Gespräch?
Das Gespräch beginnt immer mit einer Selbstvorstellung durch den Jugendlichen. Wir legen Wert auf zusammenhängende, klare Aussagen und auf nachvollziehbare Beweggründe, warum es genau dieser Lehrberuf sein soll. Darüber hinaus erfragen wir auch die Hobbys und achten darauf, ob diese in Bezug zur Arbeitswelt stehen. Da viele unserer Lehrberufe einen guten Gesundheitszustand erfordern – viele Arbeiten sind im Freien auszuführen –, ist es für uns auch wichtig, dass ein Jugendlicher sportlich und fit ist. Wenn jemand in einem Verein ist, deutet das auf Teamfähigkeit hin. Wenn jemand stundenlang ein Computerproblem auf seinem PC lösen will, ist er vielleicht als IT-Techniker genau der Richtige. Uns hat einmal ein junger Bursche überzeugt, indem er uns genau erklärt hat, wie er sich sein eigenes Baumhaus gebaut hat und welche Schwierigkeiten er da zu überwinden hatte. Das war beeindruckend, und so hat ihm dieses doch recht außergewöhnliche Projekt die Lehre gesichert.

Aber die klassische Gesprächsvorbereitung ist auch noch wichtig, zum Beispiel dass ich mich über die Firma informiere?
Unbedingt. Wenn ich nichts über das Unternehmen weiß, in dem ich eventuell meine Lehre absolvieren werde, ist das ein Knock-out-Kriterium. Es ist das Mindeste, dass ich mich über die Homepage informiere und auch weiß, welchen und vor allem warum ich einen Lehrberuf ergreifen will. Wenn jemand vor mir steht und sagt „ich glaube, ich will was mit Strom machen“, dann denke ich mir schon „Oje“.

Welcher Kleidungsstil geht beim Bewerbungsgespräch denn gar nicht?
Die Jugendlichen sollen authentisch sein. Von keinem wird erwartet, dass er im Anzug zum Gespräch erscheint – im Gegenteil. Die Kleidung bzw. das Auftreten sollten sauber und ordentlich, aber nicht übertrieben sein. Dezente Schminke, kein Minirock, keine Netzleibchen, keine transparenten Blusen – bei Burschen: bitte kein ärmelloses T-Shirt. Und: Duftwolken sind nicht angenehm, weder nach Schweiß noch nach Eau de Toilette. Auch nicht jeder Körperschmuck ist für eine Lehrstelle geeignet. Piercings muss man sich genau anschauen, denn ein Nasenring im Lichtbogen kann unter Umständen sehr gefährlich werden.

Und was sollte im Gespräch selbst vermieden werden?
Immer das letzte Wort haben zu wollen oder Besserwisserei kommen in der Regel nicht so gut an. Jugendliche müssen lernen, höflich zu sein, und das Gespräch einschätzen: Also auch einmal wissen, wann es genug ist. Sie sollen sich immer vor Augen führen, dass die 30 Minuten womöglich die einzige Möglichkeit sind, sich zu präsentieren und einen guten Eindruck zu hinterlassen. Aufgesetztes Gesprächsverhalten merken wir sehr schnell. Auch wenn der Jugendliche „überschult“ und zu viel gecoacht wurde. Der letzte Eindruck zählt aber genauso. So soll sich der Kandidat am Ende immer für das Gespräch und die aufgewandte Zeit bedanken und sich ordentlich verabschieden.

Text: Marietta Oberrauch, Bild: Kerstin Schnitzhofer

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