Ihren Job im Reisebüro tauschte Elisabeth Brüggl aus Saalfelden mit 29 gegen eine Lehre als Maschinenbautechnikerin bei SIG Combibloc im Pinzgau ein. Warum sie Riemchenschuhe gegen Stahlkappenschuhe tauschte? Wir haben nachgefragt.

Elisabeth, du bist quasi eine Spätzünderin. Warum der Jobwechsel vom Reisebüro in die Fertigungshalle?
Eigentlich war ich immer schon technisch interessiert und auch gut in Mathematik. Ein Eignungstest am AMS hat das bestätigt und mir wurde die HTL empfohlen. Mit 14 hab ich mich da aber noch nicht drübergetraut und das gemacht, was alle machten: die HBLA. Und so bin ich ins Reisebüro gekommen, aber nach acht Jahren wollte ich noch einmal etwas Neues ausprobieren – und da hatte ich dann den Mut und die Lebenserfahrung für einen technischen Beruf. Bereut hab ich das nie, ganz im Gegenteil – und Reisen tu ich natürlich immer noch gern!

Müsstest du Werbung machen für deinen Job – was würdest du sagen?
Das Arbeitsklima ist top, die Philosophie der Firma ist folgende: Ein Betrieb funktioniert nur, wenn jeder einzelne Mitarbeiter funktioniert. Also ist auch jeder hier gleich viel wert – egal ob Chef oder Lkw-Fahrer – jeder ist wichtig. Die Arbeit hier ist lösungsorientiert. Wenn etwas nicht mehr funktioniert, musst du schauen, dass es wieder rennt – und hier zu tüfteln und etwas zu reparieren macht einen sehr stolz, das gibt ein gutes Gefühl.

Gib uns einen kleinen Einblick in deinen Job – wie müssen wir uns die Arbeit vorstellen?
SIG stellt Verpackungsmaterialien für Getränke und Lebensmittel her. Also insgesamt sind wir 123 Angestellte und 217 Arbeiter. Bei den Arbeitern haben wir 208 Männer und neun Frauen – was mich aber freut, ist, dass bei den Lehrlingen die Mädchen im Kommen sind. Von 14 gewerblichen Lehrlingen sind vier immerhin Mädchen! Wir in der Werkstatt sind für die riesigen Produktionsmaschinen zuständig. Wir warten, optimieren, reparieren, und das im Drei-Schicht-Betrieb.

Die größte Herausforderung für dich?
Jede neue Ausbildung ist eine Herausforderung! Aber kürzlich war die Aufgabe, eine alte Maschine komplett zu zerlegen, zu optimieren und verschmälern und ganz neu wieder zusammenzusetzen. Dabei hast du viele alte Teile, die mit neuen Hightech-Varianten kompatibel sein müssen. Dann sind oft spezielle Überbrückungen anzufertigen, damit die Maschine so läuft, wie sie laufen soll. Die Hydraulik, die mit Öl betrieben wurde, haben wir getauscht gegen eine, die mit Luft funktioniert – im Lebensmittelbereich natürlich die optimale Lösung! Da mitzuarbeiten war für mich ein kleines Highlight.

Was zeichnet für dich die Lehre in einem technischen Beruf aus?
Dass ich alle Möglichkeiten habe. Ich habe eine solide Grundausbildung – verstehe also mein Handwerk, kann mich weiter spezialisieren, wenn ich will, oder auch wieder in eine andere Richtung gehen. Es stehen einfach sehr viele Türen offen, egal ob man weiterlernen möchte oder einfach nur einen guten Job haben will. Und die Verdienstmöglichkeiten, die sind im technischen Bereich einfach besser.

Welche Tipps würdest du Mädchen geben, die gerade vor der Berufswahl stehen?
Ausprobieren, reinschnuppern und keinesfalls abschrecken lassen! Ich weiß ja aus eigener Erfahrung, dass es nicht einfach ist, mit 14 eine Richtung zu definieren, wenn man keinen Bezug zur Arbeitswelt hat und nur die Schulbank kennt. Aber ich sag immer: Wenn man’s nicht probiert, kann man’s auch nicht wissen, was das Richtige für einen ist!

Text: Kerstin Schnitzhofer Fotos: SIG Combibloc, Elisabeth Brüggl

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