Gewiefte Personalchefs erkennen mit wenigen Blicken, ob Bewerber kompetent sind oder über Schwächen hinwegtäuschen wollen. Eine Stilexpertin verrät Do‘s and Don‘ts, wie das Vorstellungsgespräch dennoch zum Erfolg wird.

Salzburg. Eine junge Bewerberin hetzt über den Parkplatz, zieht ein letztes Mal an ihrer Zigarette und wirft sie achtlos auf den Boden. Dann betritt sie die Firma. „Ich bin zum Vorstellungsgespräch hier“, sagt sie am Empfang. Ihr Auftritt ist dem Personalchef nicht verborgen geblieben. Durch das Fenster hat er mitangesehen, wie sie gestresst zum Termin erschienen ist.

„Chefinnen und Chefs wissen, dass gerade sehr junge Menschen beim Vorstellungsgespräch in einer absoluten Ausnahmesituation sind“, sagt Elisabeth Motsch. Die Stil- und Benimmexpertin aus Michaelbeuern weiß, wie man trotz Nervosität einen guten Auftritt hinlegt – und dass Zigarettengeruch und Hektik nicht dazugehören.

Wer sich für seinen Job vorstellen geht, sollte in erster Linie gut vorbereitet sein. Wissen bedeutet Vorsprung. Diesen holt man sich am besten, indem man die Homepage des Unternehmens aufmerksam studiert, sich Eckdaten und Namen merkt. „So sammelt man wichtige Pluspunkte“, sagt Motsch.

Dass auch das Erscheinungsbild eine wesentliche Rolle spielt, darauf weist die Stilexpertin aus dem Flachgau ausdrücklich hin. Ungepflegt und mit zerzausten Haaren zum Termin? „Das ist ein No-go. „Wer unsicher ist, welcher Dresscode im Unternehmen gilt, darf ruhig ein paar Tage vorher im Sekretariat anrufen und fragen“,  erklärt  sie. Vom Verkleiden rät sie allerdings unbedingt ab. Man solle sich zum Bewerbungsgespräch zwar sauber und angemessen kleiden, jedoch nicht so, wie man sonst niemals auftreten würde.

Authentisch und einfach man selbst bleiben – was leichter gesagt als getan ist, bringt beim Vorstellen selbst weitere Pluspunkte. Eine selbstbewusste, nicht allzu forsche Art kommt gut an. „Das beginnt mit einem festen, verbindlichen Händedruck“, sagt die Fachfrau. Schweißnasse Hände sind dabei nicht förderlich. Ihr Tipp: Ein Stofftuch (Papier fusselt!) in die Tasche stecken und die Finger daran trocknen. Schon zu Hause sollten die Hände gepflegt werden. Schwarze Trauerränder oder zu knalliges Nageldesign sind zu vermeiden.

Auch beim Begrüßen ist Aufmerksamkeit geboten. „Die Hand wird einem gegeben, man streckt sie nicht von selbst hin“, berichtet die Benimmexpertin. Außerdem wichtig: „Bitte informieren Sie sich, wie die Personen, die beim Gespräch teilnehmen, heißen, und begrüßen Sie sie mit Namen und auch mit ihrem akademischen Titel!“

Wenn es dann ins Besprechungszimmer geht, gibt es dort einiges, das die Höflichkeit verlangt. Selbst wenn die Sekretärin bittet, Platz zu nehmen – diesen sucht man sich erst, wenn die Gesprächspartner dazugekommen sind und einem den richtigen Sitz angeboten haben. Wird man nach Getränken gefragt, empfiehlt es sich, zumindest freundlich um ein Wasser zu bitten. Extrawünsche sind hingegen zu vermeiden.

Wenn es losgeht, sollen Bewerber darauf achten, gut und sicher im Sessel zu sitzen und die Hände offen zu zeigen. „Überlassen Sie dem Interviewpartner die Gesprächsführung und fragen Sie nicht sofort nach dem Gehalt. Lassen Sie dieses Thema, wenn überhaupt, am Ende einfließen“, rät Motsch. Immerhin wisse man schon von der Jobausschreibung das ungefähre Bruttogehalt. Nachfragen könne man immer noch, wenn das Angebot tatsächlich konkret werde.

Bleibt noch die Frage „Hochdeutsch oder Dialekt sprechen“. Auch hier hat die Trainerin aus Michaelbeuern ein Patentrezept parat: Nicht verstellen, nicht schauspielern. Das ist das Wichtigste. „Ein sauberer Dialekt ist authentischer als ein wackeliges Hochdeutsch, das man auch sonst nie spricht“, sagt sie.

 

Text: Michaela Heissenberger

Foto: SN/Fotolia /Alexander Raths

FacebookMore...