In der Arbeitswelt, deren bisherige, räumliche und zeitliche Grenzen durch Technisierung, Globalisierung und Virtualisierung. Einer massiven Veränderung begriffen sind, steigt natürlich der Flexibilisierungsanspruch an jeden einzelnen Arbeitnehmer. Die damit einher gehende Angst, nicht mehr den Anforderungen zu genügen, schafft Unsicherheit. Häufig werden euphemistische Begriffe wie „Ich-AG“ und „Marke ICH“ verwendet, wenn es darum geht,  dem unangenehmen Druck dieser Erwartungen zu begegnen. Jeder muss sich nur etwas mehr anstrengen, sich positionieren, profilieren – einfach besonders sein. Dazu wird häufig „digitales Selbstmarketing“ in Social Networks genutzt.

Diesem Selbstmarketing liegt vor allem der Wunsch zugrunde, von seiner Umgebung geschätzt zu werden. Das setzt einen hohen Akzeptanzgrad voraus. Damit man möglichst auf große Akzeptanz stößt, ist es nur folgerichtig, sich selbst in einem schmeichelhaften Licht zu präsentieren und bewusst so zu inszenieren, dass andere sich für uns interessieren. Durch die (selektive) Selbstdarstellung kann ein sozial begehrenswertes Selbstbild hergestellt werden, anhand dessen man den eigenen Selbstwert positiver einschätzt. Mehrere Studien zeigen, dass die Anzahl und die Häufigkeit der Rückmeldungen von „digitalen Freunden“ sowie deren positive oder negative Färbung einen bedeutenden Einfluss auf die Selbstachtung ausüben.

Um uns des Selbstbildes zu vergewissern, vergleichen wir uns natürlich auch mit dem Gezeigten der anderen. Unbewusst nehmen wir die digitale Selbstpräsentation unserer Freunde als real wahr, ansonsten würden wir auch das von uns selbst Gezeigte infrage stellen. Neben dem Wissen übermögliche Gefahren (z. B. Cyber- Mobbing, Identitätsklau etc.) in sozialen Netzwerken braucht es deshalb auch einen bewussten Blick auf die eigenen Schwächen und Stärken und Rückmeldungen von unserer „realen“ Umgebung. So können auch die digitalen Selbstdarstellungen unserer „Freunde“ mit Gelassenheit gesehen werden und wir erhöhen unseren Handlungsspielraum.

Johannes Schindlegger leitet die Akzente-Regionalstelle im Pinzgau.

Mehr zu diesem Thema: www.karriereforum.eu

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