Der heimische Arbeitsmarkt befindet sich in einem Veränderungsprozess, der aktuell häufig mit dem Wort „Flexibilisierung“ um schrieben wird. „Flexibilisierung“ ist ein sehr vielschichtiger Begriff, der räumlich, zeitlich und organisatorisch zu verstehen ist. Er beschreibt vor allem die zunehmende Aufweichung der Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben und die Zunahme atypischer Beschäftigungsmodelle. Antriebskräfte für diese Entwicklung gibt es zahlreiche. Sie sind – entgegen einer möglichen anfänglichen Annahme – nicht nur wirtschaftlicher Natur (Änderung von Familienstrukturen, neue Berufe, persönlichen Präferenzen). „Flexibilität“ wird oftmals positiv bewertet. Viele Studien zeigen allerdings, dass diese vor alle man den „Rändern“, d.h. bei Berufseintritt und kurz vor dem Ende der aktiven Berufslaufbahn, vorkommt. Die Folgen für die jugendlichen Berufseinsteiger sind jedoch gravierender, da diese Altersgruppe durch das Fehlen spezieller gesetzlicher Rahmenbedingungen ohne Risikoausgleich auskommen muss. Für viele junge Frauen und Männer entsteht daraus eine immer längere Phase des Provisoriums. Die Entwicklung der Statistik spricht hier – leider – für sich: Nicht nur in Europa, sondern auch in Österreich liegt der Faktor der arbeitssuchenden Jugendlichen (15–24 Jahre) deutlich über dem Durchschnitt der allgemeinen Arbeitssuchenden (Quelle: HTTP://WWW.DNET.AT/ELIS/TABELLEN/ARBEITSMARKT/AMINTER_ALQJUGENDINTER_MONAT.PDF). Noch deutlicher wird die fortschreitende Flexibilisierung am Trend zur Teilzeitarbeit. In den vergangenen 20 Jahren hat der Wert hier um fast 13 Prozent zugenommen! Der Umstieg von der Schule in den Job wird und wurde langwieriger: Es dauert heute wesentlich länger, die erste Arbeitsstelle zu finden, da sich die Suche schwieriger gestaltet, Umwege in Kauf genommen werden müssen und immer weniger Betriebe auswirtschaftlichen Erwägungen bereit sind, Lehrlinge nach Ende der Ausbildung zu übernehmen. Was wäre zu tun? Besondere Aufmerksamkeit zog vor einiger Zeit der – zugegebenermaßen hinkende – Vergleich auf sich, wonach die EU-Förderung für eine Kuh in der EU bei 12,7 Euro liege und die Förderung für einen arbeitslosen Jugendlichen bei 1,27 Euro. Hinkend, da die Agrarförderung im Vergleich zur Arbeitsmarktförderung nicht vergemeinschaftet ist und die Ausgaben der einzelnen Länder nicht berücksichtigt werden. Er sagt aber doch etwas über den Stellenwert der beiden Bereiche – Landwirtschaft und Arbeitsmarkt – aus. Eine gemeinsame europäische Arbeitsmarktförderung würde sicherstellen, dass das Geld dorthin fließt, wo es auch wirklich benötigt wird, davon profitiert jedes Mitgliedsland und davon hätte früher oder später auch Salzburg etwas. Die Gefahr von zweckfremder Verwendung der Mittel wäre wohl auch gering, da vermutlich kein Land seine Jugendlichen in die Arbeitslosigkeit schicken würde, nur um Leistungen der Europäischen Union zu erhalten.

Mag. Rainer Schramayr leitet die Regionalstelle von akzente
Flachgau sowie die Fachstelle regionale und kommunale Jugendarbeit
von akzente Salzburg.

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