Ich bin gern in die Schule gegangen. Als die Matura endlich in der Tasche war, schloss ich mich dennoch für einen Moment dem kollektiven Taumel an: Nie mehr Schule! Nie mehr lernen! Die Schulbücher zwar sauber im Keller verstaut, aber ganz weit weg aus den Augen! Natürlich blieb es nicht dabei. Noch im selben Sommer lernte ich Spanisch, um mich auf einen Auslandsaufenthalt vorzubereiten, später ging es an die Uni und danach folgte eine weitere Ausbildung. Ich besuchte Trainings zu verschiedensten Themen und erfüllte mir sogar einen Jugendtraum und lernte Querflöte spielen. Wir alle leben lebenslanges Lernen, selbst wenn der Weg der formalen Ausbildung an der Schule, in der Lehre oder an der Uni bereits abgeschlossen sein mag. Im Jahr 2012 nahm der EU-Rat eine Empfehlung der Europäischen Kommission an, in der die Mitgliedsstaaten eingeladen werden, bis 2018 ein Anerkennungssystem für non-formale und informelle Bildung zu installieren. Einen ersten Vorstoß hierfür gibt es in Österreich vonseiten des BMFJ. Im Rahmen des europäischen Projekts WIK:I haben Jugendliche die Möglichkeit, ihre informell und non-formal erworbenen Kompetenzen in einem Portfolio abzubilden. Die EU stellt mit dem Europass und dem Youthpass entsprechende Instrumente zur Verfügung. Selbstständiges Lernen sichtbar zu machen kann die Chancen bei Bewerbungen erhöhen oder den Quereinstieg in eine andere Berufssparte erleichtern. Jugendliche und Erwachsene, die Schwierigkeiten mit dem formalen Zugang dazu haben oder hatten, könnten durch alternative Bildungsmöglichkeiten leichter einen Einstieg in den Arbeitsmarkt finden. In jedem Fall bedeutet die Anerkennung non-formalen und informellen Lernens eine Form von Wertschätzung, die wiederum die Motivation erhöhen kann, dranzubleiben, am lebenslangen Lernen.

 

Silvia Leitner arbeitet im Jugendservice von akzenteSalzburg.

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