Es ist schon wieder passiert. Dabei wollte ich doch nur mal kurz etwas im Internet nachschauen und schon ist wieder fast eine Stunde vergangen, bevor ich mich wieder dem Schreiben dieser Kolumne widme. Dabei geht es mir wie vielen anderen: Ständig kommt etwas dazwischen, ein Anruf, ein E-Mail.

Die permanente Informationsflut via PC oder Smartphone scheint einen neuen Krankheitstypus aufgebracht zu haben: Von der Volkskrankheit Surfen, der E-Mailitis oder dem Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeits-Syndrom ist hier die Rede. Ständig sind wir online, ständig kommunizieren wir, ständig machen wir viele verschiedene Dinge gleichzeitig, um Zeit zu sparen. Tatsächlich hat man aber den Eindruck, immer weniger Zeit zu haben. Wir rennen der Zeit hinterher und statt E-Mails zu erledigen, erledigen die E-Mails uns. Schnell sind die Symptome eines Krankheitsbilds namens Zeitverschwendung erfüllt: permanent online sein, sich keine Pausen gönnen, nicht Wichtiges von Unwichtigem, Dringendes von Nicht-Dringendem unterscheiden. So funktioniert Zeitverschwendung.

Mein Therapievorschlag: E-Mails und Nachrichten nur dann abrufen, wenn auch wirklich Zeit und Lust zum Beantworten gegeben ist, eigene „Öffnungszeiten“ definieren, z. B. nur von acht bis zehn Uhr und 16 bis 18 Uhr Nachrichten beantworten, vor der Internetrecherche ein klares Ziel festlegen und auch: Einfach einmal nichts tun. Dabei hilft es, den Stecker am Computer zu ziehen, das Handy „absichtlich“ daheim zu vergessen oder sich via Anti-Social-App für eine bestimmte Zeit selbst den Zugang zu den sozialen Netzwerken zu sperren. Erst wenn Computer und Telefon einmal ausgeschaltet sind, merkt man, wie lang eine einzige Minute sein kann. Also: Fragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker, sondern verschreiben Sie sich einfach einmal selbst eine Pause – denn die ist die einzige gesunde Art der „Zeitverschwendung“.

Marika Zwidl ist Jugendberaterin bei akzente Salzburg.

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