Licht aus. Spot an. Bühne frei. Vor mir die Jury, die mich gleich bewerten wird. Mein einziger Gedanke: Meine heutige Performance entscheidet über meine Zukunft. Ob ich es wohl in die zweite Runde schaffe?“, erzählt Casting-Kandidatin Melanie: „Fast komme ich mir vor wie im Fernsehen!“

Dabei geht es um eine Bewerbung. Melanie erzählt, dass sie vor einigen Tagen bei einem sogenannten Lehrlings-Casting teilgenommen hat. Seit einiger Zeit scheint es Mode zu sein,  Arbeitskräfte durch Castings zu suchen. Klar ist: Natürlich suchen Unternehmen nach guten Bewerbern und picken sich die Besten heraus. Aber wieso Castings? Es mag ein Zeichen der Zeit sein,  dass  man auf Einzelkämpfertum und nicht so sehr auf gemeinsames Vorankommen stolz ist. Nur der  Beste gewinnt, der Zweitplatzierte gilt als Verlierer.

Es mag löblich sein, sich hohe Ziele zu stecken und nach diesen zu streben. Allen Zweitplatzierten und Nachgereihten soll trotzdem gesagt sein: Verliert nicht den Mut und macht nicht den Fehler, am dauernden Vergleich mit anderen zu scheitern. Jeder Mensch birgt Stärken in sich, die es vielleicht erst zu entdecken gilt. Eine alte Weisheit, aber immer noch gültig.

Die besseren Menschen sind diejenigen, denen es manchmal einfach nur reicht, „gut genug“ zu sein und nicht der Erstplatzierte. Nicht der  Beste unter allen. Der kann nämlich schon alles und lernt nicht mehr dazu. Und oft entwickelt sich der Zweitplatzierte zum eigentlichen Gewinner: Während die Starmania-Zweitplatzierte Christina Stürmer fast jedem ein Begriff ist, erinnert sich kaum mehr jemand an den Namen des Gewinners der Gesangs Castingshow. Der hieß übrigens Michael Tschuggnall und arbeitet mittlerweile als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Innsbruck. Gewinnen ist also nicht immer alles. Das gilt auch für Melanie.

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