„Ich lande bald im Burnout!“ Viele ertappen sich dabei, einmal so eine übervolle Arbeitsphase zu kommentieren. Steckt dahinter eine ernste Bedrohung durch wachsende Überlastung oder nur der inflationäre Gebrauch eines Modewortes, mit dem wir auf hohem Niveau jammern können? Lässt sich gegen „Burn-out“ überhaupt etwas tun?

Ursprünglich umschreibt „Burn-out“ die Situation von Menschen in sozialen Berufen, die sich mit Leidenschaft in ihre Arbeit stürzen, aber sich angesichts eigener Ansprüche, hoher zwischenmenschlicher Anforderungen und oft geringer Anerkennung und Erfolgserlebnisse immer mehr in eine Abwärtsspirale von Zynismus und Erschöpfung hineinarbeiten und am Ende zusammenbrechen. Inzwischen hat sich die Bedeutung erweitert und bezeichnet generell ein dauerhaftes Gefühl der Erschöpfung und der Überforderung im Arbeitsalltag. Gefährlich ist dabei sicherlich, dass dahinter eine Riesenpalette von Ursachen stehen kann: eine Arbeitsaufgabe, die tatsächlich zu viel abverlangt, Angst davor, den eigenen Zielen oder den Anforderungen nicht gerecht zu werden, oder psychische und körperliche Krankheiten. Ein Etikett verschleiert leicht den Blick auf die Wurzel. Positiv ist, dass mit dem griffigen Wort für ein diffuses Gefühl die Möglichkeit entstanden ist, leichter mit anderen darüber zu sprechen. Aus den helfenden Berufen ist bekannt, dass die Erkenntnis, nicht allein betroffen zu sein, der erste Schritt aus der Überlastung sein kann. Aus dem Gespräch z. B. mit Kollegen können dann gemeinsame Maßnahmen zur Änderung der Arbeit, zum Abfedern von Belastungen oder zur Veränderung der eigenen Ansprüche entstehen. Deshalb gilt: Manchmal jammern ist okay und entlastet. Wer öfter jammert, der sollte sich die Frage stellen: Warum?

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

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