Für einige ist es vollkommen undenkbar, für andere ist es ein großes Versprechen: die Möglichkeit, für eine gewisse Zeit im Ausland zu arbeiten. Die Hoffnung richtet sich vielleicht auf eine schnellere berufliche Karriere oder auf einen großen Gewinn an persönlicher und interkultureller Erfahrung. Leider ist der Prozentsatz derjenigen, bei denen sich die Hoffnungen nicht erfüllen oder die Zeit im Ausland als Scheitern empfunden wird, immer noch groß.
Wo liegen die Ursachen? Am schwersten wiegt die familiäre Situation. Bei zwei berufstätigen Partnern führt ein gemeinsamer Wechsel in ein anderes Land selbst innerhalb der EU mit formaler Freizügigkeit zu Problemen, da eine passende Beschäftigungsmöglichkeit für „Begleiter“ kaum zu finden ist.  Auf die Partner ohne berufliche Tätigkeit kommt die härtere Aufgabe zu, da sie sich ohne das stützende Korsett der Alltagsarbeit und die fachliche Expertise, die Grund der Entsendung ist, in einer auch sprachlich neuen Welt zurechtfinden müssen. Der Partner wird schnell zum unzufriedenen Anhängsel.
Auf die Entsandten selbst wartet die Enttäuschung eher zum Zeitpunkt der geplanten Rückkehr. Erste Klippe ist die formale Wiedereingliederung, da geplante oder gar versprochene Positionen nicht verfügbar sind. Die Organisation hat sich verändert und Auslandsmitarbeiter rutschen nicht selten aus der Planung heraus. Weniger offensichtlich, aber genauso gravierend ist die Veränderung der Rückkehrer. Neu gewonnene Kompetenzen wie eine gewachsene Selbstständigkeit bei Entscheidungen oder ein größerer Überblick über Prozesse werden zu selten gewürdigt. Viele fühlen sich deshalb eher unterfordert.
Was hilft? Unternehmen müssen den Kontakt mit ihren Mitarbeitern im Ausland systematisch stärken. Für Entsandte gilt: Wer gegen Widerstände des Partners oder allein der Karriere wegen fährt, sollte gut über einen Verzicht nachdenken.

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.
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