Fragt man viele Menschen danach, was zu einem sehr großen Teil beruflichen Erfolg ausmacht, so erhält man recht unterschiedliche Antworten. Motivation, Herkunft und Glück sind mit dabei, aber an erster Stelle steht der ominöse Begriff der „richtigen Persönlichkeit“, oft in Verbindung mit dem Gedanken, dass diese ja nicht veränderbar sei. Es herrscht in den Köpfen die Vorstellung von einer klar definierten idealen Verkäufer- oder einer Führungspersönlichkeit oder der/dem „geborenen . . .“, die sich durch diverse Persönlichkeitstests identifizieren ließen. Dass diese Vorstellung wissenschaftlichen Überprüfungen nicht standhält und eher unsere Intelligenz den größten Einfluss auf den beruflichen Erfolg besitzt, ist eine Sache. Wie kommt es aber, dass so viele Menschen mit voller Überzeugung an die Bedeutung einer stabilen Persönlichkeit für die Karriere glauben?

Oft fällt es einfach schwer, zwischen einer beruflichen Rolle, mit der bestimmte Erwartungen verbunden sind, und der Person, die sie ausfüllt, zu unterscheiden. Ist jemand im Verkauf durchgehend freundlich und entgegenkommend, so wird angenommen, dass dies nur gelingen kann, weil die Person so ist und nicht weil sie ihre Rolle und Aufgabe gut verstanden hat. Dies führt zu großen Überraschungen, werden Menschen in anderen, vielleicht privaten Rollen erlebt. Gerade erfolgreiche Schauspieler können davon oft ein Lied singen. Zusätzlich wird zu wenig bedacht, wie gut die eigenen Fähigkeiten entwickelt und verbessert werden können und wie berufliche Rollen an Fähigkeiten und Stärken der Person angepasst werden können.

Wann führt das Bild von der einen „richtigen Persönlichkeit“ in die Irre? Immer dann, wenn es verabsäumt wird, Menschen die Chance zu geben, in neue Rollen hineinzuwachsen und spezielle Fähigkeiten einzubringen. Dann läuft man Gefahr, Talente zu verschenken.

 

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

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