Eigentlich redet man ja nicht über Geld. Aber brauchen tun wir es trotzdem alle. Nur in seltenen Fällen wird uns eine Erhöhung offeriert, eher müssen wir selbst dafür vorstellig werden.

Wie lässt sich der Wunsch nach einer Gehaltserhöhung am besten vorbringen und begründen?

Auf keinen Fall sollte man Vorgesetzte nebenbei oder halb im Spaß mit dem Gefühl nicht ausreichender Bezahlung konfrontieren. Das provoziert eine Antwort in gleicher Münze, bei der Sie nicht wissen, ob Ihr Anliegen überhaupt verstanden wurde. Bitten Sie vielmehr um einen ruhigen Gesprächstermin oder nutzen Sie einen ohnehin dafür vorgesehenen wie ein Mitarbeitergespräch und äußern Sie klar Ihre Vorstellungen. Aber wie begründen? Gestiegene Lebenshaltungskosten sind ein schlechter Start, weil eine Erhöhung dann vielen Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen zusteht. Der Vergleich mit dem Verdienst anderer in ähnlichen Positionen gibt Sicherheit, taugt aber als Argument nur, wenn Sie ernsthaft überlegen, sich zu verändern. Suchen Sie Gründe und Veränderungen in Ihrer eigenen Arbeit! Konstant gute Leistungen über einen längeren Zeitraum, zusätzliche wichtige Aufgaben, neu Gelerntes, das auch dem Betrieb etwas bringt, sind die besten Anknüpfungspunkte. Damit ist Ihre Erhöhung auch nicht durch eine allgemeine Aufstockung der Gehälter abgedeckt, die alle erhalten. Außerdem muss auch Ihr Chef vor sich oder den eigenen Vorgesetzten die höhere Ausgabe mit guten Argumenten rechtfertigen. Was ist, wenn die schnelle positive Antwort ausbleibt und vielleicht betriebliche Gründe dagegenstehen? Lassen Sie sich zumindest im Gespräch bestätigen, dass Ihre Arbeit wahrgenommen wird und dass Ihre Sichtweise „stimmt“. Damit haben Sie den Fuß sinnbildlich in der Tür, denn Ihnen wurde ein berechtigtes Anliegen verwehrt.

Und das zwingt viele Vorgesetzte zum Nachdenken und manchmal auch zum Handeln.

 

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

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