Die Veränderung von Führung treibt seltsame Blüten. Immer wieder tauchen Begriffe wie „rein bedürfnisorientiert“, „Führen wie ein Psychologe“, ja sogar „kuschelig“ auf, um gute und moderne Führung zu umschreiben.

Tatsächlich kursieren viele Fehlinterpretationen, wie einige Beispiele zeigen:

  • „Die Mitarbeiter suchen sich ihre Aufgaben selbst aus und machen nur das, was ihnen Spaß macht.“ Nein. Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter und deren Fähigkeiten genau beobachten und an der Weiterentwicklung der Fähigkeiten mit den Mitarbeitern arbeiten. Wer lernt und seine Fähigkeiten in der Arbeit nutzen kann, hat mehr Freude an der Arbeit. Und ist auch bereit, das Unangenehme und Notwendige zu tun.
  • „Die Führungskraft wird ein Freund der Mitarbeiter, der mit ihnen auf Augenhöhe arbeitet.“ Nein. Führungskräfte sollen ihren Mitarbeitern offener das Warum und die Ziele der gemeinsamen Arbeit erklären. Diese Offenheit holt Führungskräfte von ihrem Podest und macht sie angreifbarer. Trotz gegenseitiger Wertschätzung behalten Führungskräfte immer eine Sonderrolle. Selbstständige Mitarbeiter wünschen sich sogar eine vernünftige Distanz zu Chefin oder Chef.
  • „Die Führungskraft achtet auf Harmonie und alle haben sich lieb.“ Nein. Die Beobachtung der Fähigkeiten und der Entwicklung der Mitarbeiter erfordert gerade auch die Ansprache kritischer Leistungen und deren Verbesserung zum Nutzen der Organisation. Führungskräfte führen nicht mehr durch Befehl, aber sie müssen bereit sein, Konflikte einzugehen und konstruktiv zu lösen.
  • „Moderne Führung kostet sehr viel Zeit.“ Halt, das ist richtig. Deshalb kann keine Führungskraft, die 15 oder noch mehr Mitarbeiter disziplinarisch führt, diese Aufgabe bewältigen. Bei kleineren Gruppen aber lohnt sich die Zeit, da Mitarbeiter selbstständiger, leistungsfähiger und motivierter werden.

 

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

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