Das Klagelied der Mitarbeiter klingt ähnlich: „Wir fühlen uns nicht gut informiert.“ Dem steht auf der Führungsebene regelmäßig echtes Erstaunen oder blankes Entsetzen gegenüber: „Wir tun doch so viel für Kommunikation und haben jede Woche Besprechung!“ Haben Mitarbeiter vollkommen unrealistische Erwartungen? Die nähere Betrachtung zeigt drei häufige Kommunikationsfehler:

Es wird zu viel Unwichtiges ungerichtet kommuniziert. In Zeiten von E-Mail und Intranet werden Informationen ohne Abstufung der Wichtigkeit an die geschickt, die es betreffen könnte. Wirklich wichtige Informationen verschwinden dann im Rauschen des Alltags, weil Mitarbeiter sie nicht entdecken oder nicht sofort als wichtig erkennen. Führungskräfte könnten Zeit sparen, wenn sie bei der Verteilung von Information steuern statt streuen. Kommunikation läuft in einer Einbahnstraße ab, auf der aus Besprechungen Verlautbarungen werden. Führungskräfte geben dann mit bestem Gewissen Informationen weiter, die für Mitarbeiter ohne eine Erklärung der Hintergründe unverständlich sind. Für Rückfragen bleibt zu wenig Zeit. Mitarbeiter haben dann viel gehört und leider oft zu wenig verstanden.

Führungskräfte kommunizieren zu spät. Informationen z. B. zu Veränderungsprozessen werden von Führungskräften erst dann weitergegeben, wenn sie sich selbst sicher fühlen und glauben, überzeugend argumentieren zu können. Über „ungelegte Eier“ will man nicht reden. Meist hat der Flurfunk ihnen dann die Entscheidung längst aus der Hand genommen. Es sind bereits so viele unverbundene Einzelteile im Umlauf, die sich zu Gerüchten verdichtet haben, dass dann die eigentliche Information nicht mehr gehört oder geglaubt wird. Spätestens dann kann aus einem Informations- ein Vertrauensproblem werden: „Von unseren Chefs erfährt man die wichtigen Dinge immer als Letztes.“

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

Mehr zu diesem Thema: www.karriereforum.eu

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