Noch vor einigen Jahren erschien das Assessment-Center (AC) als das Bestmögliche aller Auswahlverfahren, in dem Führungskräfte sich ein konkretes Bild von den Fähigkeiten neuer Mit- arbeiter/-innen in verschiedenen Übungen machen können. Auch wenn die Begeisterung aus vielen Gründen (aufwendig und teuer) abgeklungen ist, durchlaufen viele Bewerber gerade bei größeren Unternehmen immer noch ein AC, in dem vor allem die ungewohnte Situation, von mehreren Menschen parallel beobachtet zu werden, für viele sehr gewöhnungsbedürftig ist. Gute AC zeichnen sich durch ein fortlaufend hohes Tempo aus, bei dem unterschiedliche Anforderungen rasant wechseln. Wer als Bewerber in einer Übung glaubt, nicht perfekt gewesen zu sein, muss das schnell abhaken können und sich auf die nächste Aufgabe konzentrieren. Niemand kann in allen Übungen perfekt sein. Trotzdem heißt es, aufmerksam auf die Inhalte und mögliche Rückmeldungen zu achten. Meist sind Aufgaben miteinander verknüpft: Haben Sie zum Beispiel in einem Gespräch nicht genau genug auf eine strukturierte Gesprächsführung geachtet, kann es sein, dass Sie eine ähnliche Aufgabe später erneut lösen müssen, bei der die Beobachter auf Ihre schnelle Lernfähigkeit achten. Königsdisziplin des AC sind die Gruppenübungen, in denen gefordert wird, sich aktiv an der Lösung einer Aufgabe zu beteiligen, aber gleichzeitig darauf zu achten, dass die Gruppe als Ganzes vorankommt und sich nicht im Konkurrenzkampf verschleißt. Weder forsches Voranpreschen noch schüchternes Mauerblümchen-Dasein führen hier zum Erfolg, sondern konzentriertes Arbeiten im Team. Drei Warnzeichen schlechter AC sollte auch jeder kennen: Werden Sie heimlich und unangekündigt beobachtet, als Teilnehmer förmlich gegeneinander gehetzt und werden nach jeder Runde Teilnehmer nach Hause geschickt, dann sind Sie in einem unprofessionellen Auswahlverfahren gelandet. So schlecht, wie Sie hier behandelt werden, wird man auch in Zukunft mit Ihnen umgehen. Mein Tipp: Besser nichts wie weg!

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

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