Pro Jahr werden viele Millionen Euro für Training und Weiterbildung investiert. Die positiven Effekte für die Betriebe sind im Verhältnis dazu recht überschaubar. Vieles an erlerntem oder vermitteltem Wissen kommt nie am Arbeitsplatz an. Ist Ursache dieses Problems die schlechte Qualität der Seminare? Eher nein, oft werden aber ganz einfache Dinge in der Vor- und der Nachbereitung versäumt.

Der Lernprozess setzt weit vor der Schulung an. Es gilt, sich zunächst konkrete Lernziele zu setzen. Was will ich nachher besser können? Auf welche Probleme oder Fragen will ich im Seminar eine Antwort bekommen? Wem jetzt nichts einfällt, der befindet sich ohnehin  am falschen Platz. Es fehlt bereits vorher der Grund, viel Zeit ins Lernen zu investieren und motiviert einen oder mehrere Tage zuzuhören und mitzumachen. Ohne Ziele nehmen wir zu wenig von dem Erlebten auf, weil wir nicht erkennen, was für uns wichtig ist.

Nach dem Seminar muss der Lernprozess vor dem Arbeitsalltag geschützt werden. Vielleicht können einige Themen direkt angewendet werden, viele bedürfen aber  weiterer Übung. Und ausgerechnet jetzt gibt es so viele wichtige andere Dinge, die wegen des Seminars noch nicht erledigt sind. Für sich selbst Lernzeiten zu reservieren, um zu üben und Wissen und Fähigkeiten zu vertiefen, ist ein erster Schritt. Mehr Wirkung ist aber zu erreichen, wenn aus den einzelnen Lernenden eine Lerngruppe wird. Das kann die Gruppe der Seminarteilnehmer sein, die sich zusammentut oder sich im Idealfall zu regelmäßigen Follow-ups trifft und offene Fragen gemeinsam löst. Vielleicht unterstützt der Betrieb es aber auch, dass man sein Wissen an die Kollegen weitergeben kann, die ähnliche Probleme haben, und man so vom Trainierten zum Trainer wird. Wer  anderen etwas erklären kann und muss, versteht es dadurch meist selbst besser. Ganz nebenbei haben Betriebe auch etwas davon: Lernen im Beruf wird wichtiger Teil der Arbeit und teurer als klassische Weiterbildung für alle ist es sicher nicht.

 

Jürgen Kaschube
Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

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