Blaues Hemd, Jean, Umhängetasche und eine schwarze Ledermappe mit Bewerbungsunterlagen unter dem Arm: So schlendert Benjamin Bergmayr durch das Karriereforum im Linzer Palais Kaufmännischer Verein. Der 25-Jährige ist kurz davor, sein Studium „Innovations- und Produktmanagement“ an der Fachhochschule in Wels zu beenden. Nun steht der Schritt in die Berufswelt bevor.

„Gespräche ohne Pause“

Soeben hat er seinen Lebenslauf beim Engineering- und IT-Dienstleiter Beko abgegeben. „Ich kenne die Firma schon“, sagt der Student. „Vielleicht ergibt sich etwas.“ Seine Unterlagen hinterlegt er bei mehreren Firmen. Doch mit seinem noch relativ unbekannten Studium hat er es nicht immer leicht: „Ich muss oft erklären, was ich mit dieser Ausbildung in ein Unternehmen einbringen kann.“ Doch der zukünftige Produktentwickler ist guter Dinge: „Wer das studiert, was ihm liegt, ist immer im Vorteil.“

Unterdessen liegt auf dem Tisch der Firma Beko schon ein Stapel an Bewerbungen. „Da sind einige potenzielle Mitarbeiter dabei“, sagt Peter Zausek, der hinter dem Stehtisch in der Koje steht. Zausek leitet die Beko-Niederlassung in Linz. Er ist mit dem Karriereforum sehr zufrieden. „Wir führen heute ohne Pause Gespräche“, sagt er. Die Palette an Bewerbern sei bunt: von Schülern und Studenten über Arbeitslose bis zu Menschen, die den Job wechseln wollen. Ob jemand geeignet sei und zur Firma passe, könne er im ersten Gespräch feststellen. Neben den fachlichen Voraussetzungen sei gutes Gespür notwendig: „Nur weil sich jemand gut präsentiert, heißt das nicht, dass er ein Superstar ist.“

Wie man sich als Bewerber im Internet richtig präsentiert, das ist Thema eines Workshops einige Räume weiter. Expertin Andrea Starzer schaut gerade das Facebook-Profil von Michael Haidinger durch. Dass er Rettungsmitarbeiter ist und dies auf Facebook zeigt, findet sie gut: „Das kommt bei Firmen gut an.“ Ein Foto, das eine Freundin postete und auf dem Michael markiert ist, sieht sie als unproblematisch. „Wenn es dir nicht mehr gefällt, kannst du es ja löschen“, sagt die Geschäftsführerin einer Online-Marketing-Firma.

Persönliche Gespräche mit Chefs

„Doch was tue ich, wenn Grauslichkeiten über mich im Netz sind?“, fragte eine Besucherin, die zugehört hat. Am besten eine Mail an Google mit der Bitte um Löschung schreiben, meint Starzer. Denn: „Google vergisst nicht.“ Für die Karriere seien Plattformen wie Xing wichtiger als Facebook: „Kaum ein Personalsucher hat die Zeit, sich persönliche Profile von Kandidaten anzusehen.“

Vor dem Vereinshaus macht Klaudija Juric mit ihren Klassenkameraden von der HAK Steyr Pause. Sie hat auf dem Karriereforum wertvolle Tipps erhalten – und zwar aus erster Hand. „Ich finde es richtig gut, dass es so eine Messe gibt. Hier kann man mit den Chefs persönlich sprechen. Das gelingt sonst nicht so leicht.“

Umfrage: Was hat das Karriereforum den Besuchern gebracht?

„Man kann sich beim Karriereforum einen guten Überblick über die Arbeitgeber verschaffen. Ich möchte Jus studieren und habe viel erfahren.“, Anja Rabeder, 18, Stroheim

„Man lernt Unternehmen kennen, die man sonst nie kennenlernen würde. Ich weiß noch nicht, ob ich nach der Schule studieren oder arbeiten will.“, Lukas Kogler, 18, Steyr

„Ich glaube, dass das Internet für die Bewerbung immer wichtiger wird. Hier habe ich dazu viele Informationen bekommen.“, Michael Haidinger, Linz

„Ich habe meine Vorstellungen hier festigen können: Ich möchte nach der Schule Lebensmitteltechnologie studieren. Chemie und Ernährung haben mich schon immer interessiert.“, Daniela Starrermayr, 20, Grieskirchen

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