Für manche ist es Pflicht im Studium, für andere eine Möglichkeit zur Neuorientierung oder Chance zur Überbrückung einer Lücke in der Zeitplanung, für die Nächsten die Hoffnung, einen Arbeitgeber von den eigenen Qualitäten zu überzeugen: das Praktikum. Eines ist es für alle fast immer: gar nicht oder kaum bezahlt. Kann es sich trotzdem lohnen, sowohl aus Sicht von Praktikanten als auch von Organisationen?

Eindeutig ja, aber nur, wenn sowohl Organisationen als auch Praktikanten die richtigen Entscheidungen treffen. Für Praktikanten heißt es erst einmal, sich ordentlich vorzubereiten: Was wird in einer Firma in bestimmten Arbeitsbereichen verlangt? Was will und was kann ich dort lernen? Was muss ich dort leisten? Wer sich diese Fragen nicht vor der Suche nach einem Platz stellt, wird entweder nichts finden oder nachher meist nur wissen, dass diese Zeit nichts gebracht hat. Apropos Zeit – die sollten sich Praktikanten auf jeden Fall nehmen. Praktika von vier Wochen, wie sie bereits in einigen Bachelorstudiengängen vorgeschrieben sind, taugen höchstens als Beschäftigungstherapie und sind als Lernerfahrungen vollkommen ungeeignet. Kaum ein wichtiger Prozess in der Arbeitsrealität ist in diesem Zeitraum zu verstehen oder gar zu erlernen. Wer also etwas Praktisches lernen will, braucht zwei bis drei Monate, um vom Staunen ins Arbeiten zu kommen. Von Praktikumsbetreuern muss dann andererseits verlangt werden,

dass sie Praktikanten eine klare Rolle zuweisen, die weder die einer unbezahlten Arbeitskraft ist noch die einer Hilfskraft für niedere Dienste. Praktikanten sollten bei so vielen anspruchsvollen Arbeiten wie möglich den Blick über die Schulter ihrer Betreuer werfen können, um dann bald eigene Aufgaben unter Anleitung anzupacken. Die Erfahrung zeigt, dass dies für beide Seiten gut investierte Arbeitszeit sein kann. Praktikanten lernen viel und Unternehmen wissen schnell, was sie dem Nachwuchs zutrauen können. Und dann kann daraus eine dauerhaftere und auch bedeutend besser bezahlte Arbeitsbeziehung werden.

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

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