Beschauliche Familienunternehmen, in denen man mit 14 die Berufskarriere mit Lehre beginnt und Anfang 60 in Pension geht, sterben zunehmend aus. Um in der heutigen, globalisierten Wirtschaftswelt zu überleben, müssen sich Unternehmen internationalen Märkten öffnen, und die Anforderungen an Mitarbeiter steigen, sowohl hinsichtlich der Mobilität als auch hinsichtlich der Sprach- und interkulturellen Kompetenz. Während Englisch heute vielfach als Voraussetzung gilt, ist es vor allem das Wissen über Umgangsformen mit internationalen Geschäftspartnern, das oft den Unterschied bei einer Bewerbung ausmacht. Nicht nur das falsch gesprochene Wort zur falschen Zeit kann den Geschäftserfolg verderben, es reicht auch eine falsche Geste aus, um den internationalen Geschäftspartner nachhaltig zu verstimmen. Zwei Beispiele aus dem asiatischen Raum: Während es in unseren Breitengraden üblich ist, eine erhaltene Visitenkarte sofort einzustecken und ihr wenig Beachtung zu schenken, begutachten asiatische Partner diese sehr ausführlich als Zeichen der Wertschätzung. Stecktman die Visitenkarte also achtlos ein, könnte der Geschäftspartner irritiert und vor den Kopf gestoßen sein.

Zudem arbeiten asiatische Partner oftmals mit „Stille“. Österreichische Geschäftstreffen laufen meist sehr redselig ab, „künstlerische“ Sprechpausen gibt es selten bis gar nicht. Asiatische Partner legen ebensolche Pausen oft selbstverständlich ein, europäische Partner fühlen sich dann oft unwohl und reagieren auch hier unter Umständen falsch.

Fazit: Wenn Sie als kompetenter Bewerber solche Fallstricke kennen und Ihr Wissen in das Bewerbungsgespräch einbauen, haben Sie gegenüber anderen Mitbewerbern einen klaren Startvorteil. Innovative Sprachinstitute bieten längst nicht mehr nur Spracherwerb mit langweiligem Grammatikbuch an, sondern haben ihr Portfolio um Themen wie beispielsweise Erwerb von interkultureller Kompetenz erweitert.

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

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