In Anlehnung an die „Bild“-Schlagzeile vom April 2005 anlässlich der Wahl von Kardinal Ratzinger zum Kirchenoberhaupt frage ich Sie als Arbeitnehmer heute: Wie sehr identifizieren Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber? Aber der Reihe nach: In Nordamerika, aber auch in einigen innovativen europäischen Staaten findet die Identifizierung mit dem zukünftigen Arbeitgeber bereits während der Ausbildung statt. Viele mögliche künftige Arbeitgeber begleiten Studierende während des gesamten Studiums, informieren sie über Arbeitsprozesse, bieten Praktika an und versuchen schon in einem sehr frühen Stadium, Loyalität als wesentlichen Bestandteil für zukünftige Arbeitsverhältnisse darzustellen. Nicht erst seit Google und Apple sind Mitarbeiter nicht einfach austauschbare Ressourcen, sondern maßgeblich für den Erfolg des Unternehmens, bedingt durch hohe Identifikation. Die Win-win-Situation liegt auf der Hand. Die Mitarbeiter „leben“ ihren Job und bringen sich aktiv auch bei schwierigeren Bedingungen ein. Das Unternehmen profitiert nicht nur von der Arbeitsleistung der Mitarbeiter, sondern erreicht mit positiver Mundpropaganda auch potenzielle neue Bewerber auf kostengünstige, aber vermutlich effizienteste Art und Weise. Der Spruch „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ ist hier wohl am treffendsten anzuwenden, denn gute Arbeitnehmer bringen meist weitere potenziell spannende Kandidaten ins Gespräch. Zurück zu meiner Ausgangsfrage: Erzählen Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis gerne von ihrem Arbeitsalltag ? Nutzen Sie Dienstleistungen und Produkte Ihres Unternehmens selbst und empfehlen diese auch gerne weiter? Freuen Sie sich (zumindest meist) täglich auf Ihre Arbeitskollegen und die Aufgaben, die Sie erwarten?

Wenn Sie alle drei Fragen mit Ja beantworten können, dann hat Ihr Arbeitgeber ohne Zweifel, manchmal vielleicht sogar unbewusst, in die Arbeitnehmeridentifikation investiert. Sollten Sie keine der Fragen mit gutem Gewissen mit Ja beantworten können, dann wird Ihr aktueller Arbeitgeber wohl nicht der letzte sein.

 

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Privatdozent.

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