Das moderne Zauberwort für die berufliche Karriere heißt unbestritten „Soft Skills“. Wer nicht kommunikativ, teamfähig und gut in der Präsentation der eigenen Ideen und eventuell „nur“ Fachfrau oder Fachmann ist, scheint – wenn man Stellenanzeigen glauben darf – wenige Chancen auf einen tollen Job zu besitzen. Die entscheidende Frage ist aber, ob soziale Kompetenzen überhaupt erlernbar sind oder ob man nicht schon als guter Kommunikator geboren wird? Tatsächlich können wir durch Übung unsere sozialen Fähigkeiten stark verbessern. Da diese Fähigkeiten weder in der Schule noch in der Ausbildung oder an der Hochschule wirklich gut trainiert werden, haben nur wenige ihr Potenzial voll entfaltet. Trotzdem sind Enttäuschungen programmiert, wenn wir glauben, dass es genügt, in immer mehr Trainings zu gehen, um dann automatisch zu besonders sozial kompetenten Menschen zu werden.

Die Betrachtungsweise „Übung macht den Meister“ findet ihre Grenzen in zwei Faktoren. Tatsächlich ist es auch Teil unserer relativ stabilen Persönlichkeit, ob wir offen und extrovertiert sind und uns in Situationen wohlfühlen, bei denen Erfolg auf dem Austausch mit anderen Menschen beruht. Wer hier nicht zu Hause ist, wird bei allem Training nicht zum geborenen Verkäufer oder zum perfekten Teamplayer, weil dies nicht genügend Spaß macht oder Befriedigung verschafft. Außerdem ist die oft unterschätzte Grundlage ausgeprägter Social Skills eine Fähigkeit, die wir erst auf den zweiten Blick erkennen: die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel oder der Einfühlung in andere. Wer die nicht besitzt, wirkt wenig authentisch, weil viele in Trainings perfektionierte Techniken der Rhetorik und der Arbeit mit Teams ihren Zweck verfehlen, da sie zur Situation und zu den Menschen nicht passen. Wir können uns also in soziale Situationen hineinfühlen oder auch hineindenken, daher sind auch eher zurückhaltende Menschen mit analytischer Begabung keine hoffnungslosen Fälle. Sie müssen nur ihre Stärken nutzen, um ihre Social Skills effektiv zu entwickeln.

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Universitätsprofessor.

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