Da ist sie endlich, die Führungsposition mit spannenden Aufgaben und mehr Verantwortung. Natürlich kommt für einen Moment die Frage auf, ob man der Position wirklich gewachsen ist. Warum eigentlich nicht? Schließlich ist man im alten Betrieb geblieben und kennt den Job und die Mitarbeiter mit all ihren Stärken und Schwächen, da es ja die Ex-Kollegen sind. Man weiß genau, was der alte Chef gut gemacht hat (mache ich genauso!) und was falsch war (wird sofort geändert und dann herrscht neuer Schwung!). Besser könnten die Voraussetzungen ja kaum sein. Trotzdem läuft es selten so reibungslos.

Warum? Viele „neue“ Führungskräfte unterschätzen die Veränderungen, die mit der neuen Position verbunden sind. Nicht die Aufgabe, sondern die neue Rolle ist für alle Beteiligten das häufigste Problem. Ehemalige Kollegen verstehen nicht, warum Vertrautes wie der gemeinsame Kaffee am Morgen nicht mehr reibungslos funktioniert und sind von der scheinbaren Distanz enttäuscht. Umgekehrt verschreckt die neue Funktion viele: Gespräche verstummen, sobald der „Chef“ den Raum betritt. Früher Selbstverständliches aus dem Privatleben wird nicht mehr erzählt, weil das zu intim ist. Die frühere Nähe wird so zur Belastung für die Zusammenarbeit.Aber auch Vorgesetzte müssen sich an einen Umgang auf Augenhöhe gewöhnen und erkennen, welche Aufgaben nicht mehr der Neue macht, obwohl doch früher genau das reibungslos funktioniert hat.

In dieser Situation hilft es, das zu tun, was viele vergessen, weil es ihnen albern erscheint. Sie müssen sich genauso vorstellen, wie es eine Führungskraft von außen tun würde. Erklären Sie in Einzelgesprächen und Teammeetings, wie Sie Ihre Aufgaben erledigen wollen und müssen und was sich ändert oder bleibt. Kleine Gesten können helfen. Schaffen Sie neue Routinen oder bitten Sie explizit um Dinge, die früher ganz selbstverständlich waren, zum Beispiel, ob Sie sich in Ihrem Ex-Büro niederlassen dürfen. Aber geben Sie vor allem sich und den anderen Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Jürgen Kaschube ist Wirtschaftspsychologe und Universitätsprofessor.

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