Das 7. Karriereforum am Dienstag, den 5. 11. 2013 zeigt einmal mehr, wie groß das Kommunikationsbedürfnis von Firmen und Bewerbern tatsächlich ist. Mehr als 2500 Besucher stürmten förmlich die Räumlichkeiten der neuen Residenz.

Mehr als 2500 Besucher und 60 ausstellende Firmen bewiesen am Dienstag erneut, dass das Karriereforum der „Salzburger Nachrichten“ eine wichtige Plattform für den Arbeitsmarkt der gesamten Region ist. Gemeinsam mit der Universität Salzburg, der Fachhochschule Salzburg, dem Land Salzburg und Hauptsponsor Hofer wurde erneut eine Veranstaltung in der Residenz auf die Beine gestellt, die genau den Bedürfnissen von Jobsuchenden und Unternehmen entsprach.

Neben der direkten Kommunikation zwischen diesen beiden Gruppen gab es jede Menge Wissenswertes in den Vorträgen und der Podiumsdiskussion zu erfahren, dazu kam noch eine Reihe von Initiativen und Projekten, die Tipps und Tricks für die Bewerbung bereithielten. Der Bogen spannte sich dabei von simulierten Bewerbungsgesprächen über einen Bewerbungsunterlagen-Check oder einen Social-Media-Quick-Check bis hin zum richtigen Bewerberfoto von Profifotograf Marc Stickler.

Schon in seinem Einführungsvortrag ging der Professor und Wirtschaftspsychologe Jürgen Kaschube auf die „Zukunft der Arbeit“ ein. Diese sei geprägt vom technologischen Fortschritt, von mehr Diversität, also verschiedenen Altersgruppen, Geschlechtern und Kulturen, einer höheren Flexibilität bei der Tages- und Lebensarbeitszeit, mehr Bedeutung für Bildung und Wissen, aber auch von flexibleren Berufsfeldern. Weites zählt Kaschube zu den Zukunftsfaktoren mehr Flexibilität hinsichtlich des Arbeitsortes und mehr Flexibilität bei den Arbeitsaufgaben dazu. Er sieht auch den Begriff der „Karriere“ nicht mehr im hergebrachten Sinn: „Es wird eher, Laufbahnen‘ geben, in denen man einmal Führungskraft ist, einmal wieder Teamplayer.“

Diese Zukunftsvisionen stellten nach Meinung von Kaschube für den einen Chancen, für viele andere aber auch Bedrohungen dar. So sei etwa mehr Verantwortung einerseits eine Chance, für manche aber ein Risiko und eine Belastung, der man sich nicht aussetzen will. Auch die Möglichkeit für zeitliche Freiräume beinhalte die Angst zerrieben und ausgebrannt seinen Job zu erfüllen. Kaschube wies vor allem darauf hin, dass es künftig wesentlich darauf ankommen werde, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit zu zeigen, mit Veränderungen in räumlicher und inhaltlicher Hinsicht zurechtzukommen und über die Kompetenzen „Kreativität“ und „Teamfähigkeit“ zu verfügen.

Er forderte die Zuhörer auf, mehr „Selbst“ als Erfolgsfaktor einzubringen. Darunter sei aber nicht egoistisches Denken gemeint, sondern die Fähigkeit zu steuern und auszubalancieren, sich abzugrenzen und zurückzunehmen, über sich selbst zu reflektieren sich selbst zu vertrauen und zu „vermarkten“. Kaschube: „Es kommt künftig einfach immer mehr darauf an, für sich selbst Werte zu finden und sich die Frage zu stellen: Was ist mir wichtig?“

Diskussion „Arbeit 2030“

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion konnte Univ.-Prof Clemens Sedmark aus einer Studie zitieren, die er im Auftrag der Jungen Industrie der Industriellenvereinigung erstellt hat. „Wie die Arbeit 2030 aussehen wird, ist zwar zu einem gewissen Teil Kaffeesudleserei“, bekannte der Experte: „Doch einige zentrale Faktoren sind festzustellen.“ Dazu zählt er vor allem die „Fähigkeiten zweiter Ordnung“. Darunter sind etwa Skills zu verstehen, um von einem Arbeitsplatz zu einem anderen wechseln zu können. „Auch die Fähigkeit, mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten gehört dazu. Ich nenne das das, Sozialkapital‘,“ meinte Sedmak. Flexibilität in allen Belangen, das war es auch, was Landeshauptmann Wilfried Haslauer unterstrich: „Die Frage, Warum eigentlich nicht?‘ ist eine der wichtigsten im Leben.“ Das habe er auch in der eigenen Karriere gesehen, denn ursprünglich wollte er nach den Jus-Studium in den Bankenbereich, wurde aber schließlich Rechtsanwalt. Und dass er einmal in die Politik gehen würde, habe er damals auch nicht auf der Agenda gehabt: „Und jetzt bin ich Landeshauptmann“, ergänzte Haslauer. Er riet den jungen Menschen vor allem, auf mehr Sozialkompetenzen zu achten und immer bereit für neues Wissen zu sein: „Wer stehen bleibt, der scheidet aus.“

Die Beraterin Andrea Starzer, sie ist auch die erste zertifizierte Employer Brand-Managerin Österreichs, ortete auch ein Umdenken in den Personaletagen der Firmen: „Jene HR-Chefs, die nach der eierlegenden Wollmilchsau suchen, sind inzwischen eine aussterbende Spezies.“ Es gehe nicht mehr darum, „alles“ zu können. Auch sie ortet im Faktor „Wissen“ eine der bedeutendsten Herausforderungen für den Arbeitsplatz der Zukunft. Starzer: „Man muss eine Affinität zu seinem Beruf haben. So kann man viel lernen.“ Wichtig bei einem Bewerbungsprozess ist nach Ansicht der Expertin vor allem: „Bleiben Sie authentisch!“

AMS-Chef Siegfried Steinlechner schließlich zeigte sich über die künftige Entwicklung des Arbeitsmarktes durchaus positiv, auch wenn man manche Faktoren vorher nicht abschätzen kann. „Die Auswirkungen der Finanzkrise waren nicht vorhersehbar. Aber es ist ein Ende absehbar, wenn auch nicht gleich“, betont der Experte. Eines werde aber immer eine schwierige Phase bleiben, wenn nämlich jungen Menschen vor dem Übertritt aus der Bildung in die Beschäftigung stehen.

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