Hoher Termin- und Leistungsdruck, Multitasking, ständige Erreichbarkeit auch über die Arbeitszeit hinaus– die Liste potentiell schädigender Faktoren am Arbeitsplatz ließe sich noch lange fortsetzen. Die Ursache dieser Arbeits-Trends: der Wandel der Arbeitswelt. Doch was versteckt sich hinter diesem Wandel, der gegenwärtig aller Orten und insbesondere im Rahmen des Arbeitsschutzhandelns diskutiert wird? Und welchen Einfluss haben diese Entwicklungen auf die Beschäftigten? Unter dem Titel Herausforderungen in der Arbeitswelt gibt Andrea Lohmann-Haislah, Autorin des Stressreports Deutschland 2012, Antworten auf diese Fragen. Basierend auf den Ergebnissen der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2011/2012 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beschreibt der Stressreport Veränderungen in der Arbeitswelt und ihre Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Beschäftigten. Wird im Rahmen des Stressreports nach den Veränderungen in der Arbeitswelt gefragt, so wird u.a. die Entwicklung hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, in der emotionale und kognitive Arbeitsanforderungen als Folge steigender geistiger und interaktiver Tätigkeiten zunehmen, als zentraler Aspekt der Veränderung genannt. Eine weitere Herausforderung geht mit der zunehmenden Informatisierung einher. Ermöglichen moderne Kommunikationstechnologien ortsunabhängiges Arbeiten und tragen so zu mehr Flexibilität der Arbeitnehmer bei, sind diese jedoch gleichzeitig mit “Nebenwirkungen”, wie der eingangs erwähnten Erreichbarkeit „rund um die Uhr“ verknüpft.

Berufliche Weiterbildung im internationalen Vergleich

Getrieben durch die Globalisierung und in Folge eines höheren internationalen Markt- und Wettbewerbdrucks greifen immer mehr Unternehmen zu Restrukturierungsmaßnahmen, um die eigene Produktivität zu steigern. Was dem Unternehmen eine größere Wettbewerbsfähigkeit verspricht, bedeutet für die Arbeitnehmer nicht selten eine höhere Arbeitsintensität und stärkere psychische Belastung. Wer neuen Anforderungen im Unternehmen gerecht werden will und die Anpassung an die beruflichen Erfordernisse sicherstellen möchte, ist daher häufig auf Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen angewiesen. Im Rahmen der Eurobarometer-Spezial-Umfrage zur europäischen Beschäftigungs- und Sozialpolitik in 2006 stimmten  62 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass regelmäßige Weiterbildung zur Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten beitrage. Obgleich das Thema Weiterbildung mit dem Wandel der Arbeitswelt stärker in den Fokus von Gesellschaft und Politik gerückt ist, zeigt sich, dass die berufliche Weiterbildung in Deutschland deutlich schlechter aufgestellt ist als z.B in den skandinavischen Ländern, in Frankreich oder in den Niederlanden. Liegt die Teilnahmequote zur beuflichen Weiterbildung in den nordischen Ländern sowie einigen westeuropäischen Ländern bei einem Anteil von über 50 Prozent, ist die Teilnahmequote in Deutschland und Österreich mit einem Anteil von 30 bis 40 Prozent hingegen deutlich geringer.

Förderung beruflicher Weiterbildung in den deutschen Bundesländern

Neben einigen wenigen bundesweiten Initiativen zur Förderung beruflicher Weiterbildung zeigen sich im Hinblick auf die Förderung beruflicher Weiterbildung deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Haben u.a. Erwerbstätige in Hamburg und Berlin Anspruch auf  Bildungsurlaub, der bei bezahlter Freistellung die Möglichkeit zur Teilnahme an beruflichen Weiterbildungen bietet,  gilt dieser Anspruch in anderen Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg nicht. So werden in Baden-Württemberg Fachkurse zur beruflichen Weiterbildung im Rahmen des Europäischen Sozialfonds gefördert, während das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen insbesondere Erwerbstätige aus kleinen und mittleren Unternehmen in den Fokus seiner Förderaktivität rückt. Variiert die Förderung von beruflicher Weiterbildung im nationalen und internationalen Vergleich, so gilt doch für alle Länder gleichermaßen, dass der Weiterbildungsbedarf in Zeiten diskontinuierlicher Beschäftigtenverhältnisse und häufiger Tätigkeits- und Berufswechsel, zugenommen hat. Weiterbildungen bieten hier die Möglichkeit, auf  veränderte Anforderungen der Arbeitswelt zu reagieren und die eigene Arbeitsfähigkeit sicherzustellen.

 

Dieser Artikel wurde geschrieben von Luisa Solms, Redakteurin bei Springest.

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