„Ich habe am Karriereforum eine Stelle besetzt“

Aussteller und Besucher bilanzieren nach der Jobmesse äußerst zufrieden – 1500 interessierte Besucher.

Die Besucher kamen gut vorbereitet, die angehenden Akademiker, Maturanten und Jobwechsler stellten konkrete Fragen und überprüften eingeholte Informationen über potenzielle Arbeitgeber. „Ich bin positiv überrascht über die Qualität der Fragen und das Interesse“, hieß es von den Ausstellern. Etliche Firmen waren sich schon am frühen Nachmittag sicher, die eine oder andere offene Stelle mit einem Besucher des Karriereforums besetzen zu können. Am Ende des Tages hatten viele Betriebe zumindest ein Dutzend Lebensläufe von Kandidaten im Gepäck. „Wir haben den ganzen Tag permanent geredet und informiert“, berichten die Personalisten unisono.
Experten lieferten die Zutaten. Aber nicht nur für die Firmen hat es gepasst. Auch die Schüler und Studenten haben viel mitgenommen. Schließlich stand das Vortragsprogramm unter dem Titel: „So finde ich meinen Traumjob“. Die Vortragenden servierten die Zutaten für eine erfolgreiche Bewerbung. Bei den Vorträgen wurde daher tüchtig mitgeschrieben. So bekamen die Jobsuchenden Tipps, was ein Bewerbungsschreiben enthalten muss, damit es Interesse weckt. Dabei ist es wichtig, sich konkret mit dem Arbeitgeber auseinanderzusetzen und im Motivationsschreiben konkrete Beispiele zu nennen, warum einen die Stelle interessiere. Sicherheit brachte dann noch der Check der Bewerbungsunterlagen, den das Wifi durchgeführt hat. Viele praktische Tipps gab es in der Podiumsdiskussion zum Bewerbungsgespräch. Eine Absolventin berichtete von ihrem jüngsten Vorstellungstermin: „Ich habe eine konkrete Gehaltsvorstellung. Als ich aber gefragt wurde, wie viel man mir für einen All-in-Vertrag zahlen müsste, war ich überfordert.“

Richtige Karriereplanung

Gute Noten, Geschlecht und Engagement wirken sich positiv aus.

Was brauche ich, um Karriere zu machen? Dieser Frage stellten sich Uni-Professor Wolfgang Güttel und FH-Personalchefin Bernadette Harra sowohl wissenschaftlich als auch praktisch. „Grundsätzlich gibt es verschiedene Wege nach oben“, sagte Güttel. Dennoch gebe es laut einer Studie von Ed Schein von Lebensläufen ehemaliger MBA-Studenten spezifische „Karriereanker“. Das sind jene Aspekte im Lebenslauf, die besonders karrierefördernd sind. „Die Bedeutung der Persönlichkeit für eine Karriere ist dabei überraschend gering“, sagte der Experte für Personalwirtschaft. Viel stärker würde das Geschlecht den Karriereweg beeinflussen. Auch Networking sei oft überbewertet. „Laut der Studie wirkt es sich manchmal sogar negativ aus“, sagte er. Der Studienerfolg sei zwar bei Berufseinsteigern noch wenig relevant. „Später aber schon. Denn wer schnell und besser studiert, den umgibt ein gewisser Schein. Solche Leute werden etwa für High-Potenzial-Programme eher ausgewählt als andere“, sagte der Professor. Auslandsaufenthalte an sich versprechen keine große Karriere. „Das machen schon zu viele. Legen Sie deshalb mehr Wert darauf, an welche Uni und in welches Land Sie gehen“, riet er den Zuhörern. Und: Wer wirklich Karriere machen will, muss den Beruf in den Mittelpunkt stellen. „Viel mehr zu arbeiten als die Kollegen zahlt sich wirklich aus“, sagt Güttel.

„Ob Sie Karriere machen, liegt in Ihrer eigenen Verantwortung“, ergänzte Bernadette Harra aus der Praxis. Die Karriereplanung könne kein anderer für Sie machen. Zu Beginn stehe, das eigene Potenzial zu ermitteln. „Vertrauen Sie nur auf Tests, die fundierte Methoden verwenden“, sagt sie. Wichtig sei dabei immer, sich selbst zu kennen und gut zu reflektieren. „Es hilft auch, wenn man sich einmal die Meinung von anderen über einen selbst holt. Fragen Sie, wie Sie wahrgenommen werden“, rät die Personalchefin.
Ihr Tipp zum Schluss: „Trotz aller Planung: Bleiben Sie flexibel. Denn viele Karrierewege sind nicht geradlinig, manchmal sind die Abzweigungen der richtige Weg.“ Zitat: „Die Persönlichkeit hat auf die Karriere überraschend wenig Auswirkung. Viel mehr zählen das Geschlecht, Engagement und gute Noten im Studium.“

20 Minuten – fünf Bewerbungsgespräche

Erfolgreiches Bewerbungs-Speeddating

Das Karriereforum hat dieses Jahr eine absolute Neuheit präsentiert: Bewerbungs-Speeddating. Was manch einer aus dem Privatleben bei der Partnersuche kennt, kann man auch für den Bewerbungsprozess nutzen. Kurz erklärt, funktionierte das so: Fünf Jobsuchende trafen fünf Personalisten aus österreichischen Unternehmen. Die Bewerber hatten jeweils vier Minuten Zeit, sich bestmöglich zu präsentieren – dann wurde zum nächsten Gesprächspartner gewechselt. „Vier Minuten, das reicht, um einen ersten Eindruck zu bekommen“, sagte die teilnehmende Personalmanagerin Martina Berger von der KPMG.Mit dabei war auch Patricia Nawara, Personalbetreuung Wüstenrot Gruppe. „Mit zwei der fünf werden wir noch weitere Gespräche führen“, sagte sie nach den schnellen Bewerbungsgesprächen. Die beiden konnten in den vier Minuten überzeugen. Auch Sabine Steinkellner (WFL Millturn Technologies), Waltraud Götschl (Trenkwalder Personaldienste GmbH) und Ingrid Schwab (Ferro-Montagetechnik) waren von der neuen Art des Bewerbungsgesprächs begeistert: „Die Bewerber waren bestens vorbereitet und haben ihre Sache gut gemacht“, waren sie sich einig.
Für die Jobsuchenden war es vor allem ein tolles Training für den ersten Eindruck. „Es ist eine super Erfahrung. In vier Minuten das wichtigste über einen selbst darzustellen – das ist eine Herausforderung“, sagte etwa der Mechatroniker Martin Ahrens.

So findet man Traumjobs

Nur ein Drittel der Stellen am offenen Arbeitsmarkt

Bevor man seinen Traumjob sucht, sollte man ihn erst definieren. „Legen Sie Kriterien wie Geografie, Größe, Branche oder Art des Unternehmens fest“, riet Reinhold Köbrunner von Lee Hecht Harrison/DBM. Dann sollte man sich über die Firmen genaue Infos zulegen. „Suchen Sie in Datenbanken wie Compnet, auf Beurteilungsplattformen wie Kununu, bei ehemaligen Mitarbeitern, etwa über Xing, oder in Zeitungsarchiven“, sagte er. Erst dann sollte man sich auf die Suche machen. „Etwa ein Drittel der Stellen wird am offenen Arbeitsmarkt ausgeschrieben, der Rest wird informell über Kontakte vergeben“, sagt sein Kollege Walter Reisenzein. Daher sei es hilfreich – neben dem Erforschen von Stellenanzeigen –, auch sein persönliches Kontaktnetz anzuzapfen. Hilfreiche Kontakte findet man bei Geschäftsführern, Personalchefs, Beratern, Funktionären, Chefsekretärinnen ode Betriebsräten genauso wie bei Kunden, Lieferanten, Vereinen oder Nachbarn. „Hier geht es nicht darum, um eine Stelle zu bitten, sondern Informationen über Firmen und mögliche Jobs zu bekommen“, sagt Köbrunner. Heutzutage gehe es nicht nur ums Finden, sondern ums Gefundenwerden. Das funktioniert etwa, wenn man sein Profil auf der beruflichen Plattform Xing betreut und laufend aktualisiert, rät Reisenzein.

Wer Karriere machen will, muss sein Profil schärfen

1500 Schüler, Studenten, Absolventen und Umsteiger aus ganz Oberösterreich besuchten das dritte Karriereforum im Palais Kaufmännischer Verein in Linz. Sie knüpften wertvolle Kontakte mit heimischen Unternehmen und Institutionen.

Ein voller Erfolg war das dritte von den Oberösterreichischen Nachrichten und den Salzburger Nachrichten organisierte Karriereforum in Linz. 1500 Schüler, Studenten, Absolventen sowie Um- und Wiedereinsteiger besuchten die Stände der mehr als 50 ausstellenden oberösterreichischen Unternehmen und Institutionen im Palais Kaufmännischer Verein. Von den Vertretern der Betriebe ernteten die Besucher großes Lob. Sei seien besser vorbereitet gewesen als in den vergangenen Jahren. So fanden sich am Stand der Lenzing AG Chemiker und Verfahrenstechniker ein. HAK-Schüler aus dem Bezirk Vöcklabruck hätten konkret das Unternehmen gesucht. Karina Schmid, Personalistin in dem Leitbetrieb, glaubt, sogar einen konkreten Job direkt aus den Bewerbern besetzen zu können. Das berichten auch die Vertreterinnen der Raiffeisenlandesbank (RLB). Der Lebenslauf einer Kandidatin passe genau auf eine offene Stelle. Ähnliches berichteten weitere Aussteller. Auch Dieter Troller, Personalentwickler von Siemens VAI freute sich, dass gestern einige Grundlagenwissenschafter konkret seinen Messestand anvisiert hätten. „Ich habe mit einigen Mathematikern sehr vielversprechende Gespräche geführt.“ Aber nicht nur der direkte Kontakt zwischen Jobsuchenden und Arbeitgebern war erfolgreich. Auch das Vortrags- und Diskussionsprogramm traf die Bedürfnisse der Bewerber. Sie erfuhren im Detail, worauf es im Bewerbungsprozess ankommt. Dass der Bedarf nach Tipps für das richtige Bewerben gegeben ist, zeigte das Publikumsinteresse. Die Sessel waren alle besetzt, etliche hörten den Vorträgen stehend zu. Die Experten waren sich einig, dass man sich als Bewerber vor allem von der Masse abheben sollte. Vom „Einheitsbrei“, wie es der Trainer, Autor und Vortragende Jörg Krenmayr formulierte: „Im Bewerbungsschreiben muss man ein Profil von sich selbst zeichnen.“ So sei es möglich, sich sympathisch und für die Firma attraktiv („Mehrwert“) darzustellen.
Gängige Bewerbungsratgeber und Floskeln würden bei Jobs, für die sich 500 Personen bewerben, nicht helfen. Neben der fachlichen Eignung und ansprechendem Auftreten sei die persönliche Note ganz wichtig. „Man muss wissen, was man will, und das auch kommunizieren“, sagte Krenmayr.

Werte und Ziele kommunizieren
So sei es wichtig, im Motivationsschreiben konkrete Beispiele zu nennen, warum einen die Stelle interessiere, was man in der Vergangenheit besonders gut gemacht habe und welche Werte man schätze (Handschlagqualität zum Beispiel). Welche Ziele der Bewerber in seinem Leben verfolge („wo er hin will“), könne ebenfalls erwähnt werden. Krenmayr empfahl den Zuhörern, sich keine Schwächen von anderen Leuten einreden zu lassen, und verwies auf seine nicht perfekten Deutsch-Leistungen in der Schule. Nun schreibe er Bücher. Auch solle sich ein Job-Suchender nicht den Druck auferlegen, „gefallen zu wollen“ und dafür monatliches Schmerzensgeld zu kassieren. Firma und Bewerber müssten zusammenpassen, es gehe um Lebensqualität.

Umfrage: Welches Resümee ziehen Sie als ausstellender Arbeitgeber vom diesjährigen Karriereforum?

„Ich habe mit einigen Betriebswirten und Juristen gute Gespräche geführt. Im Vorjahr habe ich hier einen jungen Mann kennengelernt, der heute bei uns ist.“ Patrizia Nawara, Personalleitung Wüstenrot, Salzburg.

„Ich bin mit dem großen Besucherstrom sehr zufrieden. Ich habe hochqualitative Gespräche geführt und Interessenten für unser Trainee-Programm gefunden.“ Ludwig Reisecker, Personalchef Schwarzmüller, Freinberg.

„Die Bewerber kommen sehr gut vorbereitet und stellen gute Fragen und hinterfragen Dinge, die sie gehört oder auf unserer Homepage gelesen haben.“ Valentina Aichelburg, Regionalverkaufsleiterin für fünf Hofer-Filialen.

„Ich bin überrascht, wie zielgerichtet und vorbereitet die Besucher kommen. Sie fragen nach Einsatzgebieten, Standorten, grenzüberschreitender Tätigkeit.“ Hannes Gurtner, Partner Leitner

„Hier erfahren unsere Maturanten, dass sie mit ihrem Wissen auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden“

Vom Bewerbungsunterlagen-Check bis zum Styling: Das Zusatzangebot taugte den jungen Besuchern.

„Ich komme mit meinen Schülern jedes Jahr hierher“, sagt Elke Wojakow. Sie ist Bildungsberaterin an den berufsbildenden höheren Schulen HAK und HLW in Kirchdorf und zeigt sich vom Karriereforum in Linz begeistert. „Einige unserer Maturanten haben hier bereits interessante Jobs an Land gezogen. Außerdem erfahren die Schüler trotz angespannter Wirtschaftslage: Unser Wissen wird gebraucht. Wir sind erwünscht auf dem Arbeitsmarkt.“ Nicht alle interviewten Besucher reagieren so überschwänglich auf die Frage, was sie sich vom Karriereforum erwarten. Aber in einem Punkt sind sie sich einig: Die Messe ist die ideale Adresse in Linz, um erste Kontakte zu großen Firmen herzustellen. Daniel Gattringer, 18-jähriger Schüler an der HTL Paul Hahn drückt das so aus: „Die Firmen geben sehr brauchbare Informationen. Ein paar der Unternehmen kannte ich zuvor noch gar nicht. Auf jeden Fall stehen die Chancen für eine Bewerbung nun wesentlich besser.“ Die Forums-Besucher gehen bei der Kontaktaufnahme sehr unterschiedlich vor. Während die einen durch die Gänge schlendern und sich dort informieren, wo die Firmenvertreter gerade Zeit haben, haben sich die anderen gezielt die Betriebe herausgesucht, bei denen sie sich vorstellen wollen. So auch die drei Spanier Juan, Esteban und Pablo. Sie studieren gerade für ein Jahr an der Kepler-Universität in Linz und wollen bei dieser Gelegenheit mit der Arbeitssuche in Österreich beginnen. „In Spanien stehen die Chancen nicht besonders gut“, sagt Pablo. Die drei Studenten der Wirtschaftswissenschaften haben ihre Lebensläufe dabei, um sie bei den Unternehmen abzugeben. Pablo verabschiedet sich und schlängelt sich durch die Menge zum Stand des Lebensmitteldiskonters Hofer. Allgemein herrscht großer Andrang beim Karriereforum. Die Besucher müssen sich darauf einstellen, dass sie nur langsam vorankommen. Überall wird gesprochen und diskutiert. Prospekte, Bewerbungsunterlagen und Folder wandern über die Tische.

Das größte Gedränge herrscht im Festsaal vor der Bühne während der Vorträge und der Expertenrunde. „Die Diskussion war sehr interessant“, sagt die Schülerin Katharina Huber: „Ich weiß nun besser, wie ich auftreten muss und dass meine Bewerbung nicht 08/15 sein sollte.“ In der Karriere-Lounge werden die Bewerbungsunterlagen auf ihre Tauglichkeit geprüft. Hier ist seltsamerweise weniger Gedränge, was sich folgendermaßen erklärt: Die Termine sind bis zum Abend ausgebucht. Für alle, die keine Chance erhalten, ein Gespräch wahrzunehmen, verrät Petra Pichler vom Wifi ein paar Tipps: „Das ideale Anschreiben ist kurz und knackig und enthält eine persönliche Komponente. Auf keinen Fall an alle Firmen das gleiche Schreiben schicken.“

Professionelles Auftreten
Auffallend ist, dass sich die meisten Bewerber für ihren Auftritt regelrecht herausgeputzt haben. Sie wollen nichts dem Zufall überlassen und kommen lieber over- als underdressed. Einige nehmen die Gelegenheit wahr, sich in der Styling-Lounge die Haare richten und sich schminken zu lassen. Wie Maria Hillinger, die sich für den Sozialbereich interessiert und sehr zufrieden mit ihrem frischen Aussehen ist. Von der Styling-Lounge geht es für die meisten direkt zum Bewerbungsfoto von Herbert Richter, einem professionellen Fotografen. Christian Zehetner hat sich eine Stunde lang angestellt. „Dafür ist das Foto perfekt.“ (rud)

Umfrage: Was erhoffen sich die Besucher vom Karriereforum in Linz? Finden sie den Traumjob?

„Ich suche eine Stelle im Bereich Einkauf oder Vertrieb. Hier bekommt man einen guten Einblick, ich bin bisher sehr gut informiert worden.“ Christoph Bühler, 36, der Schweizer versucht einen Neueinstieg in OÖ.

„Ich will mich allgemein darüber informieren, welche Job- und Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt. Die Vorträge sind interessant.“
Katharina Huber, 18, Schülerin der HBLA Lentia für Produktmanagement und Präsentation.

„Ich hoffe, es bauen sich Beziehungen zu interessanten Firmen auf. Auf jeden Fall bekomme ich eine Idee davon, in welche Richtung ich gehen muss.“ Stephen Moore, 28, der Ghanaer studierte Techn. Mathematik in Linz.

„Ich bin zu vier Ständen gegangen und habe nun die Möglichkeit, zwei Praktika im Personalmanagement zu machen. Das ist toll.“
Jacqueline Mlinarcsik, 19, die Salzburgerin studiert in Innsbruck Jus und Wirtschaftsrecht.

Mehr Gehalt – aber wie?

Sachlichkeit und Leistung bei Verhandlung in Vordergrund stellen.

„Seien Sie aktiv.“ So lautet der Ratschlag von Gerald Pichlmayr, Experte für Gehaltsverhandlungen. Er sprach beim Karriereforum über die richtige Strategie, um zu mehr Gehalt zu kommen. „Die Verhandlung gewinnt man im Kopf“, sagte er. Daher sei Vorbereitung eines der wichtigsten Kriterien. Dazu gehört: Man sollte den richtigen Zeitpunkt am Tag und auch im Jahr wählen. „Wenn Sie vor Weihnachten kommen, werden Sie den Kuchen, der für Gehaltserhöhungen bestimmt ist, mit ganz vielen anderen teilen müssen. Zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr, ist es wahrscheinlich günstiger“, sagt Pichlmayr. Als Grund für mehr Gehalt sollten niemals private Umstände genannt werden. „Die erhöhte Miete, das teure dritte Kind oder ähnliches gehören nicht in das Gespräch“, sagt er. Vielmehr sollten Sie darauf hinweisen, was sie leisten. „Der Chef weiß eben nicht immer, wie toll Sie sind.“ Ein guter Aufhänger für eine Gehaltsverhandlung seien etwa gut abgeschlossene Projekte, wichtige Fortbildungen oder das Übernehmen von mehr Verantwortung im Betrieb. Erst wenn man die Leistung dargestellt hat, könne man über den Preis dafür reden. Um sich für die Gehaltsverhandlung einzustimmen, sei Üben im Familien- oder Freundeskreis eine gute Möglichkeit. „Stellen Sie das Gespräch im Rollenspiel nach. Sie werden sehen, das hilft“, rät der Experte. Auch vor dem Spiegel zu üben, sei ein Tipp. Dann ist man ruhiger. Außerdem kann man die eigene Körperhaltung überprüfen“, sagt er.

Bei so einem Gespräch gehe es laut Pichlmayr nicht nur um den Inhalt, sondern auch um den Ton. „Seien Sie weder zu aggressiv, noch zu kleinlaut. Sonst bewirken Sie beim Gegenüber Abwehr und Distanz. Behalten Sie immer die Sachlichkeit im Kopf“, sagt er.
Gegen Killerargumente des Chefs (Firma kann es sich im Moment nicht leisten; das wäre unfair gegenüber den Kollegen; der Chef würde das nicht genehmigen etc.) könne man sich mit guten Argumenten wehren. „Betonen Sie, dass Sie ein wertvoller Mitarbeiter sind, dass Ihre Gehaltserhöhung mit den Kollegen nichts zu tun hat und lassen Sie sich nicht mit Minimal-Erhöhungen abspeisen“, sagt Pichlmayr.

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